Ärzte in Baden-Württemberg: im Schnitt fast 84.000 € Mehrumsatz durch PKV

Ärzte in Baden-Württemberg: im Schnitt fast 84.000 € Mehrumsatz durch PKV

Arztpraxen in Baden-Württemberg erzielten 2023 durch die Behandlung privatversicherter Patienten einen durchschnittlichen Mehrumsatz von 83.975 € pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. auf Basis der Daten des Jahres 2023. Insgesamt belief sich der jährliche ambulant-ärztliche Mehrumsatz in der KV-Region Baden-Württemberg auf rund 2,16 Mrd. €.

Der Mehrumsatz – definiert als Differenz zwischen den tatsächlichen Ausgaben für privatversicherte Patienten und den hypothetischen Ausgaben bei einer Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – resultiert aus den unterschiedlichen Vergütungs- und Leistungssystemen von GKV und PKV. Im Vergleich zur GKV sind sowohl der Leistungsumfang pro Patient als auch die Vergütung der erbrachten Leistungen bei Privatversicherten in der Regel höher. Zudem unterliegt die Gesamtleistungsmenge bei Privatpatienten keinen mengenbezogenen Begrenzungen.

Ärzte in ländlichen Regionen profitieren überdurchschnittlich von der PKV

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Ärzte in ländlichen Gebieten überdurchschnittlich von privatversicherten Patienten profitieren. Während der durchschnittliche Mehrumsatz im Großraum Stuttgart bei 63.575 € pro Jahr lag, betrug er im ländlich geprägten Main-Tauber-Kreis 96.605 €. Im Neckar-Odenwald-Kreis erreichte er sogar 116.796 € jährlich.

Der PKV-Verband führt diese Unterschiede auf das höhere Durchschnittsalter der Versicherten in ländlichen Regionen zurück, das mit häufigeren Behandlungsanlässen einhergeht. Zudem ist das allgemeine Preisniveau auf dem Land niedriger, etwa bei Mieten, Gehältern und anderen Betriebskosten, was sich zusätzlich positiv auf die wirtschaftliche Situation der Praxen auswirkt.

 

Kommentar:

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist in der privaten Krankenversicherung (PKV) der ambulant-ärztliche Bereich der ausgabenstärkste Sektor. Die aktuellen Zahlen belegen den überproportional hohen Beitrag der PKV zur Finanzierung der ambulanten Versorgung: In Baden-Württemberg beträgt der PKV-Anteil am gesamten ambulanten Umsatz 23,8 % – und ist damit etwa doppelt so hoch wie der Bevölkerungsanteil der Privatversicherten von 11,7 %.

Der finanzielle Beitrag der PKV setzt somit nicht nur positive Anreize für die ärztliche Niederlassung – insbesondere auch auf dem Land –, sondern eröffnet den Praxen auch zusätzlichen Spielraum für Investitionen und liefert auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer flächendeckenden innovativen ambulanten Versorgung.

Quellen:

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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