Ärztekammer BW: Erhöhung der Studienplätze zur Lösung des Ärztemangels

Ärztekammer BW: Erhöhung der Studienplätze zur Lösung des Ärztemangels

Für eine auch zukünftige Sicherung der Patientenversorgung und deren weiterhin hohen Qualität benötigt es eine landesweite Erhöhung der Studienplatzanzahl in der Humanmedizin. So eine aktuelle Forderung der Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Nicht die Anzahl der Ärzte sondern die Arztzeit ist die Herausforderung

Inzwischen ist fast die Hälfte (47%) der berufstätigen Ärzte in Baden-Württemberg 50 Jahre und älter. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich zunehmend schwierig. Nicht aufgrund der bloßen Anzahl, sondern der pro Kopf zur Verfügung gestellten Arztzeit. Junge Ärzte wollen eine ausgeglichene Work-Life-Balance und damit eine zuverlässige Beschränkung der Arbeitsstunden. Hinzukommt, dass der Nachwuchs dabei lieber in Anstellung und im Team arbeitet als sich mit einem eigenen Vertragsarztsitz selbstständig zu machen. Da immer mehr Frauen im Studium der Humanmedizin vertreten sind, wird dieser allgemeine Trend immer ausgeprägter. Weibliche Medizinabsolventen sehen eher von der Übernahme oder gar Eröffnung einer eigenen Praxis ab und sind überdurchschnittlich in Angestellten- oder Teilzeitverhältnissen vertreten, um Beruf und Familie vereinbar zu machen. Ein neben der alternden Ärzteschaft weiter den Bedarf an Ärzten verstärkender Faktor ist die alternde Gesellschaft, für die mit steigendem Lebensalter auch mehr Behandlungszeit aufzuwenden ist. Um also zumindest die bislang verfügbare Arztzeit konstant zu halten, benötigt es eine immer größere Anzahl an Ärzten.

Zusätzliche Medizinstudienplätze effektiv, kurzfristige Maßnahmen erforderlich

Nach Ansicht der Ärztekammer ist die Schaffung von zusätzlichen Medizinstudienplätzen ein effektives mittel- bis langfristiges Instrument zur Sicherung der Patientenversorgung auf hohem Niveau. Demnach ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass eine ärztliche Aus- und Weiterbildung diverse Jahre benötigt bevor der Nachwuchs der Versorgung zur Verfügung steht. Die Ärzteschaft verwies bereits am Deutschen Ärztetag Mitte des Jahres auf ein sich bundesweit immer weiter verschärfende Lage hin und machte den Bedarf von mindestens 6.000 zusätzlich geschaffenen Studienplätzen deutlich. Die Ärzteschaft wies jedoch zudem darauf hin, dass es zur Sicherung der Versorgung dringend kurzfristiger Maßnahmen bedarf.

 

Kommentar:

Der zunehmende Ärztemangel macht sich bundesweit bemerkbar. Begonnen bei der hausärztlichen Versorgung hat Baden-Württemberg erst kürzlich eine Unterversorgung feststellen müssen. In Baden-Württemberg gilt seit Oktober der Schwäbische Wald mit einem Versorgungsgrad von 58,4% offiziell als unterversorgt. Zudem droht in diversen weiteren Mittelbereichen im Ländle unter ihnen Rottweil, Tuttlingen und Mosbach eine ähnliche Lage. Dabei ist die Ausbreitung der Unterversorgung sehr wahrscheinlich, da zahlreiche Kollegen bereits das Rentenalter erreicht haben. Dies gilt ebenso für den Schwäbischen Wald. Die hiesige Versorgung wird sich, sofern kein hausärztlicher Nachwuchs gefunden wird, weiter verschlechtern. Kurzfristige Abhilfe schaffen, sollen nun die nach Feststellung durch den Landesausschuss vorgeschriebenen Sicherungszuschläge, die niederlassungswillige Hausärzte erhalten.

Quelle: Landesärztekammer Baden-Württemberg – Gesundheitsversorgung sichern: Ärztekammer fordert mehr Medizin-Studienplätze

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