Akademisierung der Pflege zum Scheitern verurteilt?

Akademisierung der Pflege zum Scheitern verurteilt?

Die akademische Pflegeausbildung ist laut dem Deutschen Pflegerat (DPR) in Gefahr. Einer aktuellen Umfrage zufolge sind die Pflegestudiengänge lediglich zur Hälfte ausgelastet (52,6%). Zudem ist die Abbruchquote im ersten Semester extrem hoch (19,9%), wodurch die Auslastungsquote auf 42,1% sinkt.

Der Einsatz von akademisiertem Pflegepersonal zeigte in der Vergangenheit enorme Verbesserungen hinsichtlich Krankheitslast und -dauer der behandelten Patienten. Vor allem aus diesem Grund fordern die Pflegeverbände die Regierung dazu auf, Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität des Berufszweigs zu treffen.

Der DPR sieht vor allem ein Problem im Finanzierungsmodell für die Studierenden. Denn sie erhalten weder während der Theorie- noch in der eineinhalbjährigen Praxisphase eine Entlohnung. Der DPR empfiehlt die Einführung einer angemessenen Vergütung in gleicher Höhe, wie sie Auszubildende zur Pflegefachperson oder in einem Hebammenstudiengang erhalten.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), der Bundes-Dekanekonferenz Pflegewissenschaft, dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sowie der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz fordert der DPR in einem Schreiben die zukünftige Koalition dazu auf, die Vergütung der Studierenden zu sichern.

 

Kommentar:

Bereits im Jahr 2012 empfahlen der Wissenschaftsrat sowie die Konzentrierte Aktion Pflege etwa 10 bis 20% der Angehörigen der Pflegeberufe zu akademisieren. Hieraus würden bundesweit ca. 14.000 Studienplätze im Pflegesektor resultieren. Die Unterstützung der Primärqualifizierung in der Pflege findet an deutschen Hochschulen jedoch bis heute laut der Pflegeverbände nur mangelhaft statt. Die hohe Abbruchquote sehen sie in zu hohen Belastungen für die Studierenden begründet.

Um die Situation zu entschärfen müssen laut DPR schnellstmöglich Maßnahmen bestimmt werden, die die Situation der Studierenden verbessern. Andernfalls sieht der Rat die Akademisierung des Pflegeberufs zum Scheitern verurteilt, worunter auch die qualitative Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung leiden würde. Neben der Vergütung des Pflegestudiums stellen die Pflegeverbände folgende Forderungen:

  • Finanzierung der Praxisanleitung in den Pflegeeinrichtungen
  • Auferlegung von Förderprogrammen zum Auf- und Ausbau primärqualifizierender Pflegestudiengänge
  • Schaffung von Förderprogrammen zur Gewinnung von Lehrenden für die Pflegestudiengänge an den Hochschulen

Quellen:

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