Der Freistaat Bayern bietet angehenden Medizinstudierenden ein neues Stipendienprogramm an, das ein Studium in Österreich oder Kroatien fördert. Als Gegenleistung für Zuschüsse zu den Studiengebühren von bis zu 10.000 € pro Semester verpflichten sich die Stipendiaten, nach erfolgreichem Studienabschluss ihre Facharztweiterbildung in Bayern zu absolvieren und anschließend für mindestens fünf Jahre im ländlichen Raum zu praktizieren.
Insgesamt stehen 100 Stipendien für ein Studium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg oder an der School of Medicine der Universität Split zur Verfügung, davon zehn für angehende Kinder- und Jugendpsychiater. Für das Wintersemester 2026/2027 sind noch 77 Plätze frei, darunter neun für angehende Kinder- und Jugendpsychiater.
Beide Universitäten kooperieren mit einem bayerischen Krankenhaus, an dem die Stipendiaten mindestens die Hälfte ihrer Studienzeit verbringen müssen: Die PMU Salzburg arbeitet mit dem Klinikum Nürnberg zusammen, die School of Medicine Split mit den Sana Kliniken Coburg.
Voraussetzung für ein Stipendium sind eine Studienplatzzusage sowie ein Empfehlungsschreiben der jeweiligen Universität. Anschließend ist ein Förderantrag beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erforderlich. Die Bewerbungsphase an der PMU für das kommende Wintersemester hat bereits begonnen; an der School of Medicine Split werden Bewerbungen voraussichtlich ab Ende Februar/Anfang März möglich sein. Einzelheiten zu den Fördervoraussetzungen und -bestimmungen finden sich unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/gesundheitsversorgung/bayerische_gesundheitsagentur/studienfoerderung_ausland.htm
Kommentar:
Mit dem neuen Auslandsstipendienprogramm etabliert der Freistaat Bayern eine weitere Maßnahme im Kampf gegen den anhaltenden Ärztemangel im ländlichen Raum. Der große Vorteil: Da der Numerus clausus keine Rolle spielt, können viele motivierte Bewerber erreicht werden, die ansonsten vom Medizinstudium ausgeschlossen wären. Mit den Studienmöglichkeiten im Ausland ergänzt das Programm die sogenannte bayerische Landarztquote (vgl. News vom 16.9.2024). Im Unterschied zu dieser beschränkt es sich jedoch nicht auf Allgemeinmedizin, Innere Medizin bzw. auf eine Weiterbildung im Fachgebiet Öffentliches Gesundheitswesen, sondern eröffnet den Zugang zu allen Fachrichtungen. Mit der Verpflichtung zu einer mindestens zehnjährigen Tätigkeit in einem mit Hausärzten unterversorgten Gebiet bzw. im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Bayern besteht zudem eine doppelt so lange regionale Bindung.
Erfahrungen in Sachsen zeigen: Viele bevorzugen offenbar das Studium im Inland
In Sachsen besteht bereits seit 2013 ein Stipendienprogramm für ein Medizinstudium im Ausland. Hierfür stehen jährlich 40 Studienplätze an der Universität Pécs in Ungarn zur Verfügung (vgl. News vom 19.9.2023). In den vergangenen Jahren blieb die Zahl der erteilten Stipendien jedoch häufig unter dem Angebot. Grund dafür könnte darin liegen, dass die Zahl der Studienplätze in Sachsen erhöht wurde und mit der Einführung der Landarztquote die Möglichkeit geschaffen wurde, im Inland ebenfalls ohne Numerus clausus zu studieren.
Quellen:
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit – Förderprogramm zur Übernahme von Studiengebühren für ein Medizinstudium im EU-Ausland
- Bayerische Staatsregierung – Gerlach: Ärztlichen Nachwuchs gezielt für den ländlichen Raum gewinnen –Bayerns Gesundheitsministerin wirbt für Stipendium für Medizinstudium imEU-Ausland