Die Krankschreibungen bewegen sich im Jahr 2024 auf einem historischen Hoch. Dies geht aus dem neuen neue Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Mit bereits 225 Krankheitsfällen je 100 AOK-Mitglieder zwischen Januar und August zeichnet sich eine noch höhere Bilanz als im Vorjahr ab, wobei Atemwegserkrankungen als Hauptgrund gelten.
Psychische Erkrankungen und psychosoziales Klima
Der Report kommt zu dem Schluss, dass psychische Erkrankungen mit besonders langen Krankschreibungen verbunden sind und so als langfristig wirkender Faktor für höhere Krankenstände verantwortlich sind. Seit 2014 haben die AU-Tage aufgrund psychischer Erkrankungen um knapp 47% zugenommen. Besonders betroffen sind Berufe im Bereich „Erziehung und Unterricht“ sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.
Für die Bindung von Mitarbeitern in der Pflege ist das psychosoziale Sicherheitsklima in der jeweiligen Einrichtung ein besonders wichtiger Faktor. Eine im Fehlzeiten-Report veröffentlichte Studie zeigt, dass ein deutlicher Anteil der befragten Pflegefachkräfte bereits über den Wechsel des Arbeitsplatzes oder gar über den Ausstieg aus der Pflege nachgedacht hat. In Pflegeeinrichtungen, die der Gesundheit der Beschäftigten hohe Priorität einräumen, ist die Bereitschaft zum Wechsel und zum Ausstieg deutlich geringer.
Emotionale Bindung: Weniger Krankmeldungen und Fluktuation
Der Fehlzeitenreport zeigt, dass eine starke emotionale Bindung der Beschäftigten an ihre Arbeitgeber nicht nur die Gesundheit fördert, sondern auch zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und geringerem Wechselwunsch führt. Im Rahmen der Befragung von insgesamt 2.501 Beschäftigten im Alter von 18 bis 66 Jahren bestätigte sich dabei der Einfluss der Führungskompetenz und individueller Arbeitsanpassung auf die Mitarbeiterbindung. Den Ergebnissen zufolge planen nur 6,4% der Beschäftigten mit hoher Bindung zum Arbeitgeber, den Arbeitgeber innerhalb eines Jahres zu verlassen, während 57,3% angeben, bis zur Rente im Betreib verbleiben zu wollen.
Kommentar:
Die Ergebnisse des Fehlzeiten-Reports 2024 unterstreichen die zentrale Rolle der emotionalen Bindung für die Zufriedenheit und Gesundheit der Beschäftigten. In Zeiten des Fachkräftemangels und hoher Krankenstände ist es für Unternehmen essenziell, Maßnahmen zur Stärkung dieser Bindung zu ergreifen. Dazu gehören die Verbesserung der Arbeitszufriedenheit, die individuelle Anpassung der Arbeitssituation und die Stärkung der Führungskompetenzen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Programm „Care4Care“, das durch Online-Trainings und Coaching-Angebote die psychische Gesundheit der Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen stärkt. Solche Maßnahmen können nicht nur die Bindung der Mitarbeiter erhöhen, sondern auch zu einer nachhaltigeren und gesünderen Arbeitsumgebung beitragen.