Apothekenvergütung – Kein Buch mit 7 Siegeln (Teil 2)

Apothekenvergütung - Kein Buch mit 7 Siegeln (Teil 2)

Im letzten Artikel wurden die Grundlagen des Apotheken-Honorars für Produkte/Leistungen, welche zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen abgegeben werden sowie die Ermittlung des Apotheken-Honorars bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln dargestellt. Die heutige Ausgabe befasst sich mit den Themen Rezeptur, Betäubungsmittel, Notdienst und Sonderregelungen.

a) Rezeptur

aa) Abgabe von Stoffen
Für die Abgabe von Stoffen, die nicht für die Zubereitung einer Rezeptur verwendet, sondern in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt, abgepackt oder gekennzeichnet werden, erhält die Apotheke einen Festzuschlag von 100% auf den Einkaufspreis.

ab) Abgabe für Zubereitungen aus Stoffen
Die Honorarberechnung im Bereich der Arzneimittel, die in der Apotheke hergestellt werden (Rezepturen), erfolgt auf Basis der Einkaufspreise der verarbeiteten Stoffe (und Verpackungen). Hinzu kommt noch eine Vergütung für die Herstellung und die Dokumentation.

Apothekenhonorar Rezeptur
Basis Einkaufspreis Stoffe und Verpackung
+ Festzuschlag90 %
+ Rezepturzuschlag+2,50/5,00/7,00 €*
+ Zuschlag für Nacht- und Notdienstfonds+ 0,16 €
+ Festzuschlag+8,35 €
= Apothekenhonorar vor Kassenabschlag
./. Abschlag (netto) GKV-1,49 €
= Apothekenhonorar nach Kassenabschlag
* Rezepturzuschlag ist abhängig von Menge und Darreichungsform

Hinweis: Zur Beschränkung der Ausgaben im Gesundheitswesen können der Deutsche Apothekenverband und der GKV-Spitzenverband für besonders teure Spezialrezepturen einen Festpreis vereinbaren.
Weiterhin ergeben sich Zuschläge von jeweils 1 Euro für

  • Tees und Lösungen bis 300 g
  • Salben bis 200 g
  • Kapseln bis 12 Stück

c) Betäubungsmittel
Für die Abgabe von Betäubungsmitteln kann die Apotheke einen weiteren Zuschlag in Höhe von 2,45 Euro (netto) berechnen. Grund für diesen Zuschlag sind der hohe Dokumentationsaufwand und die erhöhten Lageraufwendungen (sichere Aufbewahrung in einem separaten BTM-Schrank).

d) Notdienst
Bis zur Einführung des Apothekennotdienstsicherstellungsgesetz (ANSG) konnte die Apotheke lediglich einen “Notdienstzuschlag” in Höhe von 2,50 Euro pro gesetzlich versichertem Patienten erheben.
Mit Inkrafttreten des ANSG erhalten die Apotheken nun einen Zuschlag von den Krankenkassen in Höhe von 0,16 Euro pro abgegebenem Fertigarzneimittel. Dieser Betrag wird aber vom Rechenzentrum nicht an die Apotheke erstattet, sondern an den Nacht- und Notdienstfonds abgeführt.
Dieser Fonds schüttet diesen Betrag nach folgender Rechenformel quartalsmäßig wieder an die Apotheken aus:

Ermittlung Notdienst-Vergütung
Erzielte Einnahmen
./. Verwaltungskosten
= Auszuschüttender Betrag
: Anzahl der geleisteten (Voll-) Nacht- und Notdienste*
= Pauschale pro geleistetem (Voll-) Nacht- und Notdienst
* mindestens von 20 – 6 Uhr

Die Höhe der Vergütung pro Notdienst schwankte im Zeitraum 2015/2016 zwischen 261,97 Euro und 279,47 Euro pro Quartal und Notdienst. Im 2. Quartal 2017 lag die Pauschale bei 273,96 Euro.

Quelle: Marco Benz; http://www.apomind.de/

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