Die Ausbildung Medizinischer Fachangestellter ist ein wichtiger Baustein der Fachkräftesicherung in Arztpraxen. Ob sie erfolgreich gelingt, hängt jedoch nicht allein von der Ausbildungsbereitschaft der Praxisinhaber ab. Entscheidend sind auch die schulischen Grundkompetenzen der Bewerber, eine bessere Berufsorientierung, verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ergänzende Angebote für kleinere oder spezialisierte Ausbildungsbetriebe.
Darauf haben Ingo Behnel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister bei einem Besuch einer kinderchirurgischen Praxis in Berlin-Wedding hingewiesen. Der Termin fand im Rahmen des „Sommers der Berufsausbildung“ statt, der für die duale Ausbildung und ihre mehr als 300 Ausbildungsberufe wirbt.
Fachkräftesicherung beginnt vor dem Ausbildungsvertrag
Nach Einschätzung des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) setzt eine erfolgreiche Ausbildung bereits in der Schule an. Hofmeister verwies auf die Ergebnisse der PISA-Studie und bemängelte Defizite bei grundlegenden Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Fehlen diese Voraussetzungen, wird es für Ausbildungsbetriebe schwieriger, geeignete Bewerber zu finden und erfolgreich zu qualifizieren. Hinzu kommen Probleme bei der Vermittlung: Ausbildungsplätze und Bewerber finden nicht immer zusammen. Der BFB spricht sich deshalb für eine praxisnahe Berufsorientierung, frühzeitige Kontakte zu Betrieben und staatlich unterstützte Vermittlungsangebote aus. Berufliche Bildungswege müssten zudem stärker als gleichwertige Alternative zu einem Studium wahrgenommen werden.
Kleine Praxen benötigen Unterstützung
Kleine und mittlere Arztpraxen verfügen über ein erhebliches Ausbildungspotenzial. Zugleich müssen sie die Betreuung ihrer Auszubildenden mit dem laufenden Praxisbetrieb vereinbaren. Steigende Anforderungen, bürokratische Belastungen und wirtschaftliche Unsicherheiten können ihre Ausbildungsmöglichkeiten begrenzen. Für Betriebe, die ihre Leistungen auf ein enges Fachgebiet konzentrieren, kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Sie können möglicherweise nicht alle Inhalte des Berufsbildes selbst vermitteln.
Das Berufsbildungsgesetz berücksichtigt diese Situation. Nach § 27 Abs. 2 BBiG kann eine Ausbildungsstätte auch dann geeignet sein, wenn einzelne Inhalte durch Maßnahmen außerhalb des Betriebs vermittelt werden. Denkbar sind beispielsweise Ausbildungsverbünde, in denen mehrere Praxen bestimmte Ausbildungsabschnitte arbeitsteilig übernehmen, sowie ergänzende überbetriebliche Angebote. Auch Hofmeister plädiert für eine engere Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieben.
Kommentar:
Die Diskussion zeigt: Die Sicherung des MFA-Nachwuchses ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie beginnt mit schulischer Grundbildung und Berufsorientierung, setzt eine bessere Vermittlung voraus und reicht bis zu verlässlichen wirtschaftlichen Bedingungen für ausbildende Praxen. Insbesondere kleinere und spezialisierte Einrichtungen benötigen Strukturen, die fehlende Ausbildungsinhalte ergänzen und den organisatorischen Aufwand begrenzen.
Für Arztpraxen bleibt Ausbildung dennoch eine strategisch wichtige Form der Personalgewinnung. Sie bietet die Möglichkeit, künftige Mitarbeiter frühzeitig an die eigenen Abläufe und das Praxisteam heranzuführen. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es neben dem Engagement der Praxisinhaber ausreichend Zeit, Planungssicherheit und tragfähige Kooperation.
Quelle: Bundesverband der Freien Berufe e. V. – BFB: Kleine Betriebe sterben leise