Auswirkungen von Corona auf Patente und Innovation (1)

Auswirkungen von Corona auf Patente und Innovation (1)

Eine zentrale Frage ist, inwieweit die weltweite Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Patentlage, die Zahl der Anmeldungen bzw. die Innovationsfähigkeit generell hat bzw. haben wird:

  • Denn der Innovationsgrad korreliert ja immer auch damit, wieviel Geld für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird sowie damit, wieviel Geld, z.B. auch im Rahmen von Innovationsförderung, sowohl von staatlicher als auch privatwirtschaftlicher Seite zur Verfügung steht. Wenn Unternehmen weniger Wirtschaftskraft haben, sinkt oft auch der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung; aber auch Banken prüfen verstärkt die Risiken bei Darlehensvergaben, ebenso wie Venture Capital Unternehmen; zumal in vielen Marktbereichen davon auszugehen ist, dass sich bei schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen rückläufig verhält.
  • Während beispielsweise 2018 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in 131 der im Rahmen des Global Innovation Index betrachteten Länder durchschnittlich um 5,2% und damit stärker als die globale Wirtschaft wuchs, dürfte derzeit mit der Verlagerung von Ausgaben wie auch politischen Schwerpunktsetzungen zu rechnen sein, z.B. in Richtung soziale Absicherung, Gesundheit etc.
  • Sinken die Einnahmen des Staates, stehen einerseits evtl. Sparmaßnahmen auch für universitäre Grundlagenforschung oder andere (forschungsnahen) Institutionen an, andererseits können staatliche Unterstützungsprogramme, sofern richtig allokiert, wiederum Gründungen, Innovation, Patente etc. forcieren.
  • Die Gründungstätigkeit – gerade auch in Deutschland – entwickelt sich häufig umgekehrt proportional zur Wirtschaftslage; d.h. wenn die ökonomische Situation und Arbeitsmarktlage angespannt sind, ist die Gründungsneigung höher und vermehrte Gründungen gehen ihrerseits wiederum mit Innovation einher.
  • Generell zeigt auch die Historie, dass nach Krisenzeiten häufig Innovationsschübe und industrielle Erneuerungen eintreten bzw. in der Krise neue Geschäftsmodelle entstehen sowie (erforderliche) Transformation schneller stattfindet (Druck erhöht Veränderungs- und Lernbereitschaft), z.B. geht die Corona-Pandemie mit Digitalisierungsschüben auf allen Ebenen einher. Es gibt auch viele Unternehmen mit antizyklischen Innovationsinitiativen, dass also gerade im schwierigen Umfeld Innovation zum Überlebenstreiber wird.
  • Dass Not erfinderisch macht, belegt auch eine Sondererhebung zum KfW-Mittelstandspanel: demnach setzen mit einem Anteil von 41% insbesondere jene Unternehmen, die von starken Umsatzeinbußen betroffen waren, auf Innovation. Gleichzeitig wird jedoch in der Studie darauf aufmerksam gemacht, dass diese Innovationen oft nicht Folge längerfristiger (FuE-)Entwicklungen sind und dass in Summe eher davon auszugehen sein wird, dass Corona mit einem Rückgang grundlegender Innovationen im Mittelstand verbunden sein dürfte.
  • Zudem ist eine differenzierte Betrachtung hinsichtlich der Industriezweige vorzunehmen: die Innovations- und Patenttätigkeiten gerade im Pharma-, BioTech- und Gesundheitsbereich werden natürlich ansteigen, ebenso wie Bereiche rund um Digitalisierung, Bildung oder e-Commerce. In anderen Industriezweigen hingegen dürfte aufgrund weniger Geldmittel mit Rückgängen zu rechnen sein.
  • In einigen Forschungsbereichen, in denen es auf Kooperation und/oder länderübergreifende Projekte ankommt, wirken die Hygiene-, Mobilitäts- und Exportbeschränkungen sicherlich auch innovationshemmend.


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