Auswirkungen von Corona – Teil 1 (Fachanwälte)

Auswirkungen von Corona - Teil 1 (Fachanwälte)

Bedingt durch die Corona-Pandemie kam es 2020 zu Umsatz- und Mandatierungsrückgängen bei vielen Anwälten: jene Fachgebiete, die besonders betroffen sind, decken sich weitestgehend mit denjenigen, die auf staatlicher Kostenhilfe basieren; zuvorderst steht hier das Strafrecht. Zugang zum Recht konnte z.B. während des Lockdowns nicht in üblicher Weise sichergestellt werden, Prozess- und Verfahrenskostenhilfe wurden nicht bzw. langsamer bearbeitet, Prozesse konnten z.T. nicht geführt werden bzw. die Justiz lief im ‚Notbetrieb‘, Strafverfahren wurden z.T. verkürzt oder sogar eingestellt; aber auch Familien- und Verkehrsrechtler sind überdurchschnittlich stark von Umsatzeinbußen betroffen.

Umgekehrt erfuhr die Justiz jedoch auch einen Digitalisierungsschub (Gerichtsverhandlungen online) und die Gerichte waren ihrerseits mit Urteilen bzw. Rechtsprechung rund um das Themenfeld Corona betroffen. Corona-Maßnahmen führten zu umfänglichen behördlichen Maßnahmen, z.B. auf kommunaler Ebene oder im öffentlichen Bereich; besonders gefragt sind/waren daher neben Medizinrechtler, die Verwaltungsrechts- sowie Vergaberechts-Spezialisten. Bezogen auf Wirtschaftsmandate bringt die Pandemie steigende Nachfrage bei Arbeitsrechtlern sowie Steuerrechtsexperten mit sich (z.B. zu Themen wie Förderung, Kurzarbeit, Arbeitsschutz etc.); umgekehrt gibt es rückläufiges Geschäft bei M&A, IPOs/Börsengängen, Transaktionsberatung, grenzüberschreitenden Fragestellungen, Prozessgeschäft etc. Potenziale hingegen birgt das Geschäft rund um (krisenbezogene) Restrukturierung, Personalabbau etc. Steigende Nachfrage hatten zudem die Informations- und Technologierechts-Spezialisten rund um das Themenfeld Digitalisierung zu verzeichnen, der durch Corona einen zusätzlichen Wachstumsimpuls in allen Branchen erfuhr. Es geht um Fragestellungen der Arbeitsorganisation, des Datenschutzes, der IT-Prozesse (Homeoffice), Cloud-Computing, und zwar sowohl in Richtung Kunden, Lieferanten sowie (eigenen) Mitarbeitern als auch um die Digitalisierung der Geschäftsprozesse und Business-Modelle.

Aufgrund der Sondersituation mit dem Aussetzen der Insolvenzregelungen entwickelte sich auch das Geschäft bei den Insolvenzspezialisten negativ – hier dürfte jedoch mittelfristig mit Nachhol’effekten‘ zu rechnen sein, da von einer sich massiv erhöhenden Insolvenzwahrscheinlichkeit ab 2021 zu rechnen ist.

Bei Privatmandaten gibt es steigende Nachfragen rund um Verbraucherschutzrechte (z.B. Rückforderungen von Reise-/Urlaubsbuchungen, Verbraucherschutzrechte Online-Handel; Kündigungsrechte Fitnessstudios etc.); differenziert verlief das Geschäft bei den Erbrechts-Spezialisten: bei Privatmandaten gab es auf der einen Seite rückläufige Mandantenzahlen zu verzeichnen (wie auch im Familien- oder Verkehrsrecht), andererseits führte die Pandemie zu steigender Nachfrage bei Vorsorgevollmachten, Pateientenverfügungen, Testamentsgestaltungen etc.

Weniger betroffen von corona-bedingten Umsatzrückgängen waren zudem die Juristen im Baurecht, im Datenschutzrecht sowie im Gewerblichen Rechtsschutz.

 

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