Bayern erprobt neues Hausarztmodell „HÄPPI“

Bayern erprobt neues Hausarztmodell „HÄPPI“

Zum 1. Juli ist in Bayern das Modellprojekt HÄPPI – „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“ gestartet. Nach Baden-Württemberg gehört Bayern zusammen mit Rheinland-Pfalz zu den nächsten Bundesländern, die das Konzept einführen. In Bayern wird es zunächst in neun Hausarztpraxen aus unterschiedlichen bayerischen Regierungsbezirken erprobt. Die Pilotpraxen befinden sich in Grafenau, Harburg, Kranzberg, Lam, Nürnberg, Schönau am Königssee, Sigmarszell, Thurnau und Würzburg.

Uni Augsburg prüft in Bayern Heidelberger Versorgungskonzept

Ursprünglich vom Deutschen Hausärzteverband und der Universität Heidelberg für Baden-Württemberg entwickelt, wird das Konzept nun auch in Bayern umgesetzt. Ziel ist es, die hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land langfristig zu sichern (siehe auch News vom 20.11.2023). Ein Schwerpunkt der dreijährigen Pilotphase ist die Analyse der Umstellung auf HÄPPI-Praxen – inklusive der organisatorischen Change-Management-Prozesse. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Augsburg. Das Bayerische Gesundheitsministerium fördert das Projekt mit rund 650.000 Euro.

Innovatives Praxismodell steigert Versorgungsqualität und Teamzufriedenheit

HÄPPI setzt auf interprofessionelle Teams unter hausärztlicher Leitung. Akademisch und nicht akademisch ausgebildete Fachkräfte übernehmen mehr Verantwortung in der Versorgung. Ärzte können sich dadurch stärker auf komplexe Fälle konzentrieren. Zum anderen lassen sich Versorgungsbrüche vermeiden, da HÄPPI auf bestehenden Praxisstrukturen aufbaut.

Für Praxisteams bringt das Modell neue Entwicklungsperspektiven – etwa für Medizinische Fachangestellte als VERAH, BEAH oder Primary Care Manager – und kann die Arbeitszufriedenheit steigern.

 

Kommentar:

In Baden-Württemberg läuft HÄPPI seit 2023 erfolgreich und verfügt bereits über eigene Vergütungsstrukturen (siehe News vom 18.7.2025). Nun erweitern Bayern und Rheinland-Pfalz das Konzept und ergänzen das dort entstandene Best-Practice-Handbuch um eigene Erfahrungen.

Rheinland-Pfalz nutzt HÄPPI als Ergänzung zu bestehenden Initiativen wie der Landarztquote. Hintergrund: Rund 40 % der Hausärzte im Land sind über 60 Jahre alt. Das von der Universität Mainz begleitete, sechs Monate dauernde Projekt wird mit 280.000 € gefördert. Sieben Praxen aus unterschiedlichen Regionen – von Einzelpraxis bis MVZ – bilden die Vielfalt der ambulanten Versorgung ab. Auch hier steht der Einsatz akademisierter Berufsprofile wie Primary Care Manager oder Physician Assistant im Mittelpunkt.

Die Projekte starten unter ähnlichen Bedingungen, setzen aber eigene Akzente. Mit den erweiterten Best-Practice-Handbüchern sollen spezifische Herausforderungen und Potenziale sichtbar werden. Ob sich weitere Bundesländer anschließen, könnte entscheiden, ob HÄPPI zum bundesweiten Modell für eine zukunftssichere hausärztliche Versorgung wird.

Quellen:

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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