Ältere Menschen in Deutschland stehen digitalen Gesundheitsangeboten mehrheitlich offen gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung von mehr als 1.000 Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Während sich 92 % der Befragten positiv zur Digitalisierung im Gesundheitswesen äußerten, lagen die Zustimmungswerte in der Altersgruppe der über 80-Jährigen sogar bei 95 %.
Die positive Einstellung der Generation 65+ zeigt sich auch in der konkreten Nutzung digitaler Angebote.
- Online-Terminvereinbarung: 50 % nutzen bereits die Möglichkeit, Termine online zu vereinbaren; weitere 23 % stehen einer zukünftigen Nutzung offen gegenüber.
- Recall-Systeme: Der Anteil der Nutzer von Terminerinnerungen per SMS oder E-Mail ist auf 37 % gestiegen (2021: 18 %); zusätzlich zeigen sich 47 % diesbezüglich grundsätzlich offen.
- Digitale Kommunikation mit dem Arzt: 19 % der Senioren kommunizieren bereits per E-Mail, Chat oder Messenger mit ihrem Arzt; weitere 51 % können sich diese Form der Kommunikation künftig vorstellen.
- Online-Bewertungsportale: 41 % informieren sich auf Online-Vergleichs- und Bewertungsportalen über Ärzte (2021: 12 %); zusätzlich zeigen sich 27 % grundsätzlich offen für eine künftige Nutzung.
Videosprechstunden kommen bislang noch vergleichsweise selten zum Einsatz. Gleichwohl zeigt sich auch hier im Fünfjahresvergleich eine positive Entwicklung: 6 % haben bereits eine Videosprechstunde genutzt (2021: 2 %); weitere 41 % wären grundsätzlich dazu bereit.
Kommentar:
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Generation 65+ mit Zustimmungswerten von über 90 % deutlich weniger digital zurückhaltend ist, als häufig angenommen wird. Auffällig ist jedoch die Diskrepanz zwischen niedrigschwelligen Anwendungen wie Online-Terminvereinbarungen oder Recall-Systemen, die bereits eine breite Akzeptanz und Nutzung erfahren, und telemedizinischen Anwendungen wie Videosprechstunden, die deutlich seltener zum Einsatz kommen.
Dies dürfte jedoch weniger als Ablehnung zu interpretieren sein, sondern vielmehr als Ausdruck struktureller Hürden – etwa fehlender Angebote, einer unzureichenden Integration in Versorgungsprozesse oder Unsicherheiten im Umgang mit neuen Technologien.
Für Anbieter im Gesundheitswesen lässt sich daraus ableiten, dass es weniger darum geht, Akzeptanz zu schaffen, sondern vielmehr darum, bestehende Angebote nutzerfreundlich, vertrauenswürdig und barrierearm zu gestalten. Die Nachfrage ist vorhanden – sie muss konsequent adressiert werden.
Quelle: bitkom – 92 Prozent der Seniorinnen und Senioren befürworten Digitalisierung im Gesundheitswesen