Brandenburg will das Landärzteprogramm auf die Zahnmedizin ausweiten. Künftig sollen zwei der jährlich vergebenen 18 Stipendien angehenden Zahnärzten zur Verfügung stehen. Damit will das Land auch den zahnmedizinischen Nachwuchs stärker an ländliche Regionen binden. Die Mittel sind im Entwurf des Doppelhaushalts 2027/2028 vorgesehen. Dieser wurde vom Kabinett beschlossen, muss aber noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen.
Anreiz für eine Tätigkeit auf dem Land
Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Land Brandenburg (KZVLB) begrüßt die geplante Erweiterung. Angesichts der Schwierigkeiten, zahnärztlichen Nachwuchs für ländliche Regionen zu gewinnen, seien zwei Stipendien noch nicht ausreichend, aber ein wichtiger Anfang. Nach Daten des Atlas Medicus weist Brandenburg nach dem Saarland die bundesweit zweitniedrigste zahnärztliche Versorgungsdichte auf. Dort kommen 1.762 Einwohner auf einen Zahnarzt. Im Bundesdurchschnitt sind es lediglich 1.471 Einwohner je Zahnarzt.
Zahnmedizin kann in Brandenburg bislang nur an der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane studiert werden.
Kommentar:
Mit den beiden Stipendien erkennt Brandenburg an, dass nicht nur in der ärztlichen, sondern auch in der zahnärztlichen Versorgung auf dem Land Nachwuchsprobleme entstehen. Die Größenordnung der Fördermaßnahme bleibt jedoch gering. Zwei geförderte Studierende pro Jahr können die Nachwuchsprobleme nicht allein lösen. Hinzu kommt, dass die Maßnahme erst langfristig wirkt. Das Zahnmedizinstudium dauert einschließlich der Prüfungszeit regulär fünf Jahre und sechs Monate. Bis die ersten Geförderten in der Versorgung tätig werden, vergehen somit mehrere Jahre.
Andere Bundesländer gehen bereits weiter. Sachsen-Anhalt finanziert jährlich bis zu zehn Stipendien für ein Zahnmedizinstudium an der Universität Pécs. Die Geförderten verpflichten sich im Gegenzug, nach dem Studium mindestens zehn Jahre in einer Region mit besonderem Versorgungsbedarf zu arbeiten. Zusätzlich vergeben Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern Zahnmedizinstudienplätze über Landzahnarztquoten.
Brandenburg setzt dagegen zunächst auf eine kleinere Zahl von Stipendien. Das kann ein geeigneter Einstieg sein, sofern die Kapazitäten bei Bedarf erhöht werden. Für die Sicherung der Versorgung reicht die Studienförderung allein allerdings nicht aus. Ebenso wichtig sind attraktive Bedingungen nach dem Abschluss, etwa die Unterstützung bei der Praxisgründung oder -übernahme und wirtschaftliche Planungssicherheit.
Quellen:
- Kasssenzahnärztliche Vereinigung Land Brandenburg – Zwei Landarztstipendien künftig für Zahnärzte vorgesehen
- Kassenzahnärztliche Vereingiung Sachsen-Anhalt – Das Landzahnarztstipendium im Überblick
- Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt Freistaat Sachsen – Medieninformation zum Start der Landzahnarztquote
- Ministerium für Soziales, Gesundheit. Arbeit und Familie Freistaat Thüringen – Bewerbungsstart: Medizin und Zahnmedizin studieren ohne Numerus clausus
- Ministerum für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern – Komm‘ an Deck, Doc! In Mecklenburg-Vorpommern Medizin, Zahnmedizin oder Pharmazie via Landarztquote studieren!