BVMed-Herbstumfrage 2025: MedTech-Branche wächst – doch Gewinne schrumpfen und Bürokratie bremst

BVMed-Herbstumfrage 2025: MedTech-Branche wächst – doch Gewinne schrumpfen und Bürokratie bremst

Die BVMed-Mitgliedsunternehmen erwarten Umsatzzuwächse bei rückläufigen Gewinnen, verzeichnen zugleich steigende Beschäftigungszahlen und höhere Forschungsausgaben, stehen jedoch weiterhin unter erheblichem Bürokratiedruck. Diese zentralen Ergebnisse gehen aus der aktuellen BVMed-Herbstumfrage 2025 hervor, die der Verband von August bis September durchgeführt hat und an der sich rund die Hälfte der 220 Mitgliedsunternehmen beteiligte.

Umsatzwachstum unter Kostendruck

Trotz eines erwarteten Umsatzwachstums von 3,1 % (ungewichtet 2,2 %) bleibt die Gewinnlage der BVMed-Unternehmen angespannt. 70 % rechnen mit höheren Umsätzen als im Vorjahr (2024: 64 %), rund 20 % mit Rückgängen – 11 % davon sogar im zweistelligen Bereich. Weltweit fällt das Umsatzplus mit 5,5 % (ungewichtet 2,9 %) deutlich stärker aus.

Hauptursachen für die schwächere Ertragslage sind steigende Kosten für Bürokratie (80 %), Zertifizierungen (65 %) und Personal (64 %). Insgesamt erwarten 51 % der Unternehmen sinkende Gewinne (2024: 43 %), ein Drittel stabile Ergebnisse und lediglich 12 % eine Verbesserung. Auch der Fachkräftemangel (56 %) sowie Zölle und andere Handelshemmnisse (40 %) belasten die Gewinne der Unternehmen zunehmend – ähnlich wie die hohen Energiepreise, die von 38 % explizit als Belastung genannt werden.

Zu viel Bürokratie – Branche fordert Belastungsmoratorium

Angesichts der erheblichen bürokratischen Hürden und Berichtspflichten spricht sich die Branche für ein Belastungsmoratorium in der Medizintechnik aus – also für einen Stopp weiterer regulatorischer und administrativer Vorgaben. Aus Sicht der BVMed-Unternehmen sollte insbesondere die Medical Device Regulation (MDR) verbessert, entbürokratisiert und transparenter gestaltet werden.

Die Zustimmung zum System der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) ist im Vergleich zum Vorjahr erheblich gesunken (2025: 56 %; 2024: 67 %), liegt damit aber weiterhin deutlich über dem Anteil der Unternehmen, die das MDR-System bevorzugen (2025: 14 %; 2024: 9 %). Nahezu jedes dritte Unternehmen hat keine Präferenz bei den Zulassungssystemen. Die größten Verbesserungspotenziale der MDR sehen die Unternehmen in einer Reduzierung bürokratischer Anforderungen (86 %), berechenbaren Kosten (64 %) und der Abschaffung der alle fünf Jahre wiederkehrenden Pflicht zur Rezertifizierung (63 %). Mit 62 % folgt der Wunsch nach vorhersehbaren und klaren Fristen. Neben der MDR werden umweltrechtliche Regelungen und nachhaltigkeitsbezogene Berichtspflichten von 82 % der Unternehmen als zusätzliche bürokratische Belastung wahrgenommen.

Schwierige Rahmenbedingungen: Forschung und Beschäftigung legen dennoch zu

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage verzeichnen die BVMed-Unternehmen sowohl einen Beschäftigungszuwachs als auch höhere Forschungsausgaben. Im Durchschnitt investieren sie 9,2 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung (F&E). Nahezu ein Drittel plant, die F&E-Ausgaben in den kommenden fünf Jahren zu steigern, ein etwas größerer Anteil will sie auf dem aktuellen Niveau halten (37 %). Lediglich 8 % müssen entsprechende Investitionen voraussichtlich reduzieren.

Auch die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen stimmt positiv. Der Anteil der Unternehmen, die Stellen abbauen müssen, sinkt im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 13 % (-9 % zu 2024). Mehr als die Hälfte hält die Zahl der Mitarbeitenden konstant, rund ein Drittel erhöht sie. Am stärksten nachgefragt sind Medizintechniker (38 %), Ingenieure (37 %) sowie Naturwissenschaftler und kaufmännische Auszubildende (je 25 %). Diese Fachkräfte werden vor allem in den Bereichen Vertrieb (68 %), Marketing (37 %) und Produktion (30 %) benötigt. Jedes vierte BVMed-Unternehmen berichtet über Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung.

Anders stellt sich die Situation bei Investitionen in den Standort Deutschland dar: Mehr als jedes fünfte BVMed-Mitglied (22 %) rechnet mit einer Reduzierung, 41 % halten die Investitionen konstant, während lediglich 19 % ihre Mittel am Standort erhöhen. Rund ein Drittel der Unternehmen verlagert Investitionen ins Ausland – überwiegend in andere EU-Staaten (15 %) oder in die USA (10 %).

Dennoch sehen viele Unternehmen klare Stärken am Standort Deutschland. An erster Stelle steht das hohe Fachkräfteniveau (64 %), gefolgt von der guten Infrastruktur (59 %), die jedoch im Vergleich zum Vorjahr 12 Prozentpunkte verliert. Mit deutlichem Abstand folgen das hohe Versorgungsniveau der Patienten (39 %).

Zu den führenden gesundheitspolitischen Forderungen, um den Standort zu stärken und wieder attraktiver zu machen, zählt mit einem Plus von zehn Prozentpunkten der Bürokratieabbau durch ein Belastungsmoratorium für die Medizintechnik (86 %). Es folgen die Weiterentwicklung der MDR (60 %), ein Fast-Track-Verfahren für Innovationen (44 %) sowie eine eigene MedTech-Strategie, gleichauf mit dem Vorantreiben der digitalen Transformation und einer besseren Datennutzung (je 41 %). Die Umfrage zeigt zudem, dass der Einsatz von KI-Lösungen in den BVMed-Unternehmen mittlerweile zum Alltag gehört (91 %). Besonders häufig werden KI-Anwendungen im Marketing (53 %), bei Office-Tools (47 %) und im Vertrieb (37 %) eingesetzt.

Auch zum Thema Nachhaltigkeit erhebt die Herbstumfrage Daten. Fast zwei Drittel der befragten Mitglieder (63 %) unternimmt Aktivitäten zur Emissionsreduktion und Ressourcenschonung im Produktionsumfeld, z. B. in Bezug auf Wasserverbräuche, Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien. 62 % haben eine nachhaltige Unternehmensführung etabliert, und mehr als die Hälfte (59 %) fördern nachhaltige Arbeitsbedingungen, beispielsweise im Bereich Arbeitsschutz, Diversität und Lohngerechtigkeit.

 

Kommentar:

Mehr als 210.000 Menschen sind in Deutschland in der Medizintechnik beschäftigt. Mit einem Jahresumsatz von über 41 Mrd. € und einer Bruttowertschöpfung von rund 38,3 Mrd. € zählt die Branche zu den stärksten Industriezweigen des Landes. International belegt Deutschland nach den USA Rang zwei unter den größten Medizintechnikstandorten – vor Japan und China.

Als Schlüsselindustrie ist die Medizintechnik weltweit führend in Forschung, Qualität sowie Export und gehört zu den wichtigsten Innovationstreibern der deutschen Wirtschaft – noch vor der Pharmabranche.

Die neue Bundesregierung würdigt die zentrale Rolle der Medizintechnik und hat sie im Koalitionsvertrag als Leitwirtschaft verankert. Entscheidend ist nun, dieser Bedeutung mit einer eigenständigen MedTech-Strategie Rechnung zu tragen und die Weichen für eine innovationsfreundliche Zukunft zu stellen. Branchenverbände sehen zentrale Themenfelder der Strategie insbesondere in der:

  • Regulierung und Bürokratie
  • Krankenhausversorgung
  • ambulanten Versorgung
  • Digitalisierung und künstlichen Intelligenz
  • Nachhaltigkeit
  • internationalen Wettbewerbsfähigkeit

Quelle: BVMed – Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage 2025

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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