BW: Hausärztliche Unterversorgung im Schwäbischen Wald aufgehoben

BW: Hausärztliche Unterversorgung im Schwäbischen Wald aufgehoben

Der Schwäbische Wald im Ostalbkreis gilt nicht länger als hausärztlich unterversorgt. Diese positive Nachricht gab die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) Ende Juli bekannt. Demnach bestand nach Bekanntgabe im Oktober 2022 knapp drei Jahre eine prekäre Versorgungssituation in der Region. Der geringe Versorgungsgrad in Kombination mit der damaligen fehlenden Aussicht auf Verbesserung war der Grund für den geltenden Status als unterversorgt.

In welchen Regionen Baden-Württembergs gibt es aktuell eine Unterversorgung?

Zur bereits in Baden-Württemberg erstmals festgestellten Unterversorgung im Schwäbischen Wald sind im Laufe der Zeit weitere Versorgungsprobleme hinzugekommen. Derzeit besteht in folgenden Regionen eine Unterversorgung:

  • Landkreis Schwäbisch Hall (hausärztliche Versorgung)
  • Nordschwarzwald (kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung)
  • Landkreis Rottweil (kinder- und jugendmedizinische Versorgung)

Darüber hinaus ist die hausärztliche Versorgung im Land insgesamt angespannt. Landesweit fehlen gegenwärtig rund 1.000 Allgemeinmediziner.

Welche Möglichkeiten gibt es, um eine Unterversorgung zu entspannen?

Konkret wurde in Schwäbisch Hall in gemeinsamer Zusammenarbeit ein genossenschaftliches Medizinisches Versorgungszentrum gegründet, das die Beschäftigung zusätzlicher Ärzte ermöglicht. Ein Sicherstellungsteam, bestehend aus Vertretern der KVBW, der örtlichen Ärzteschaft sowie der Landkreise und Kommunen, verfolgte das Ziel, Ärzte für eine Tätigkeit in der Region zu gewinnen. Insgesamt flossen rund eine Million Euro an Fördermitteln in das Vorhaben, die je zur Hälfte aus ärztlichen Honoraren und Mitteln der Krankenkassen finanziert wurden. Damit konnten Weiterbildungsmaßnahmen gefördert und Fachärzte in Ausbildung für ihren Praxisteil in der unterversorgten Region gewonnen werden – einige von ihnen entschieden sich anschließend sogar für eine dauerhafte Niederlassung vor Ort. Dadurch gelang es zum heutigen Zeitpunkt, den Altersdurchschnitt innerhalb der Fachgruppe deutlich unter den Landesdurchschnitt zu senken. Dennoch bleibt die Versorgungslage angespannt.

Neben Fördermaßnahmen bietet die KVBW als weitere Sicherstellungsmaßnahmen auch intensive Unterstützung ihrer Mitglieder, umfangreiche Beratungsangebote und innovative Versorgungsmodelle. Zudem werden gemeinsam mit den regionalen Akteuren individuelle Lösungen entwickelt. Ein wichtiger Einflussfaktor ist laut KVBW ferner die Reform des Bereitschaftsdienstes, die maßgeblich zur Attraktivität einer Tätigkeit in der ambulanten Versorgung beiträgt. Insgesamt bestehen im Gesundheitssystem nach wie vor zahlreiche Hürden. Eine zunehmende Bürokratisierung belastet die Praxen, deren wirtschaftliche Situation sich weiter verschlechtert. Die KVBW setzt ihre Hoffnung darauf, dass die neue Bundesregierung die dringend notwendigen und bislang überwiegend ausgebliebenen Verbesserungen der Rahmenbedingungen in der ambulanten Versorgung endlich vorantreibt.

 

Kommentar:

Was ist eine Unterversorgung?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen legen im Rahmen der Bedarfsplanung nach bundesweit einheitlichen Kriterien den Versorgungsgrad für einzelne Regionen und Fachgruppen fest. In Baden-Württemberg erfolgt dies dreimal jährlich durch den zuständigen Landesausschuss, der sich aus Vertretern der Ärzte- und Psychotherapeutenschaft sowie der Krankenkassen zusammensetzt. In die Bewertung fließen verschiedene versorgungsrelevante Faktoren ein, etwa die Einwohnerzahl oder regionale Besonderheiten. Ziel der Bedarfsplanung ist es, die Zahl der ambulant tätigen Ärzte so zu steuern, dass eine bedarfsgerechte Versorgung gewährleistet und die Ausgaben im Gesundheitswesen im Rahmen gehalten werden.

Versorgungsgrad steigt: Region holt auf

In der Region Ostalb / Schwäbischer Wald hatte die KVBW im Oktober 2022 mit einem Versorgungsgrad von lediglich 58,4 % eine hausärztliche Unterversorgung festgestellt (siehe auch News vom 16.12.2022). Dank der umfassenden Maßnahmen konnte die Region laut Atlas Medicus Marktatlas jüngst wieder die Marke von 77,2 % erreichen (Stand 7/2025). Aktuell versorgt ein Allgemeinmediziner dort rund 2.170 Einwohner, während der Sollwert bei 1.676 Einwohnern liegt – was einem Versorgungsgrad von 100 % entspricht. Ein entscheidender Vorteil der Region ist inzwischen der vergleichsweise junge Altersdurchschnitt der Ärzteschaft, weshalb derzeit keine neue Unterversorgung droht.

Quelle: KVBW – Prekäre hausärztliche Versorgungssituation im Ostalbkreis entschärft

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
Arrow right icon