Im Jahr 2024 waren in Deutschland bereits 54 % der Erwachsenen von einer chronischen Erkrankung bzw. einem lang andauernden Gesundheitsproblem betroffen (ohne Berücksichtigung von Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionen). Dies geht aus einer Analyse von Daten des Robert Koch-Instituts durch den vfa – Die forschenden Pharma-Unternehmen hervor. Damit ergibt sich innerhalb von zehn Jahren ein Anstieg um 16 %, mit weiter steigender Tendenz.
Die höchste Prävalenz zeigte sich bei den älteren Bundesbürgern. Während bei den 45- bis 64-Jährigen 59 % betroffen waren, litten in der Gruppe der über 80-Jährigen fast drei Viertel (73 %) unter einer chronischen Erkrankung. Doch auch in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen war bereits gut ein Drittel (34 %) chronisch krank. Mit fast 21,7 Mio. Betroffenen war Bluthochdruck die häufigste chronische Erkrankung in Deutschland (vgl. Abb.), gefolgt von Adipositas (knapp 16,7 Mio.), Depressionen (13,4 Mio.) und Diabetes mellitus (knapp 8,2 Mio.).
Lebensstilveränderungen und präventive Maßnahmen wirken protektiv
Laut vfa sind die Diagnoseprävalenzen bei den meisten Krankheitsbildern in den vergangenen Jahren teilweise deutlich gestiegen. Die Gründe hierfür liegen sowohl in der demografischen Entwicklung – mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für chronische Erkrankungen, zudem sind ältere Patientinnen und Patienten häufig multimorbid – als auch in einer verbesserten Erfassung zuvor unerkannter Erkrankungen (z. B. Niereninsuffizienz).
Rückläufige Prävalenzen zeigten sich bei der koronaren Herzkrankheit (Rückgang um 4,3 % seit 2015) und bei COPD, was der vfa vor allem mit positiven Lebensstilveränderungen und präventiven Maßnahmen (weitreichende Rauchverbote) erklärt.
Abbildung: Diagnoseprävalenz häufiger chronischer Erkrankungen 2024

1 Prävalenzangaben nach Deutschem Ärzteblatt
2 Diagnoseprävalenz lt. Robert Koch-Institut
3 Prävalenzangaben nach Robert Koch-Institut
Quelle: nach vfa 2025
Kommentar:
Die hohe Prävalenz chronischer Erkrankungen beschreibt nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftlich-ökonomisches Problem. Zwar überrascht es kaum, dass ältere Menschen besonders hohe Prävalenzen aufweisen. Doch dass bereits mehr als ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen chronisch krank ist, sollte aufhorchen lassen. Chronische Erkrankungen sind damit nicht mehr ausschließlich eine Frage des Alters, sondern zunehmend auch Ausdruck gesellschaftlicher und lebensstilbedingter Entwicklungen. Ökonomisch betrachtet bedeutet dieser Trend eine deutliche Steigerung des Versorgungsbedarfs. Chronische Erkrankungen verursachen hohe direkte Kosten (Medikamente, ambulante und stationäre Behandlungen, Reha) und indirekte Kosten (Produktivitätsverluste, Frühverrentung, Pflegebedarf). Gleichzeitig stehen Krankenkassen und Sozialversicherungssysteme unter Druck: Die langfristige Betreuung chronisch Kranker bindet Ressourcen, während die Einnahmebasis durch demografische Effekte schrumpft.
Aufgabe der Politik: strukturelle Verankerung von Prävention und Gesundheitsbildung
Ermutigend ist, dass nicht alle Trends in dieselbe Richtung zeigen. Der Rückgang bei der koronaren Herzkrankheit und bei COPD macht deutlich, dass Prävention wirkt. Rauchverbote, verändertes Gesundheitsverhalten und gezielte Vorsorgemaßnahmen zeigen messbare Effekte. Das unterstreicht, wie wichtig gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen und individuelle Lebensstilentscheidungen sind. Prävention, frühzeitige Versorgung und eine stärkere Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung sollten daher von politischer Seite als zentrale Aufgaben verstanden werden. Entscheidend für ein zukunftsfestes und finanzierbares Gesundheitssystem wird sein, ob es gelingt, Krankheit nicht nur zu behandeln, sondern Gesundheit aktiv zu fördern – über alle Altersgruppen, Lebenswelten und gesellschaftlichen Schichten hinweg.
Quelle: vfa – Chronische Erkrankungen