Dachverbände von Zahnärzten und Kardiologen starten Zusammenarbeit

Dachverbände von Zahnärzten und Kardiologen starten Zusammenarbeit

Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und die Bundeszahnärztekammer am 8.12.2022 den Start einer gemeinsamen Kooperation bekannt gegeben. Beide Verbände wollen künftig gemeinsam verstärkt über Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mundgesundheit aufklären sowie die Zusammenarbeit der verschiedenen medizinischen Fachgruppen vorantreiben.

 

Kommentar:

Parodontitis erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und umgekehrt

Eine enge Wechselwirkung zwischen Parodontitis sowie Gefäß- und Herzerkrankungen gilt inzwischen als wissenschaftlich hinreichend belegt. So ergab beispielsweise die schwedische PAROKRANK-Kohortenstudie für an Parodontitis Erkrankte noch für die folgenden sechs Jahre ein um 49% höheres Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt im Vergleich zu mundgesunden Personen. Zudem wies die Studie eine deutliche Korrelation zwischen dem Schweregrad der parodontalen Erkrankung und dem Erkrankungsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach. Eine britische Kohortenstudie ergab für von Parodontitis Betroffene ein deutlich erhöhtes Auftreten von Bluthochdruck, einem Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Genetische Faktoren und ungesunder Lebensstil erhöhen das Erkrankungsrisiko

Forscher erklären sich den Zusammenhang folgendermaßen: Durch die Parodontitiserkrankung gelangen Bakterien und Entzündungsstoffe in die Blutbahn. Insbesondere bei entsprechender genetischer Veranlagung und/oder Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder falsche Ernährung kann dies zu Gefäßentzündungen und -veränderungen oder einer Endokarditis führen. Viele kardiovaskuläre Krankheitsbilder werden daher auf Zahnfleischentzündungen zurückgeführt. Umgekehrt begünstigen auch viele Allgemeinerkrankungen – nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern beispielsweise auch Diabetes – das Entstehen von Karies oder Parodontitis.

Fachübergreifender Behandlungsansatz statt isolierter Betrachtung erforderlich

Trotz des durch verschiedene empirische Studien inzwischen hinreichend belegten Zusammenhangs zwischen oralen und kardiovaskulären Erkrankungen werden Munderkrankungen wie Parodontitis, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie beispielsweise Schlaganfälle, Infarkte oder entzündliche Herzerkrankungen immer noch allzu häufig vom behandelnden Zahnarzt bzw. Arzt isoliert betrachtet.

Auch vor dem Hintergrund einer stetig steigenden Zahl älterer, multi-morbider Patienten und dem damit einhergehenden Prävalenzanstieg oraler und Allgemeinerkrankungen ist ein ganzheitlicher, fachübergreifender Behandlungsansatz jedoch dringend geboten. In diesem Zusammenhang sollte auch die Vereinheitlichung des ersten Studienabschnitts von Medizin- und Zahnmedizinstudium endlich umgesetzt werden.

Quellen:

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