Der Sommer ist noch nicht vorbei: Beratung durch Apotheken bei Hitze

Der Sommer ist noch nicht vorbei: Beratung durch Apotheken bei Hitze

Insbesondere für ältere, multimorbide und/oder chronisch erkrankte Menschen, sprich genau für die Kernklientel von Apotheken, kann die zunehmende Hitze zu gesundheitlichen Problemen führen. Erkrankungen können sich verschlechtern, die Wirkung und Verträglichkeit von Arzneimitteln sich verändern.

Entsprechende Beratungsangebote der Apotheken sind bzw. können sein:

  • Anpassung von Dosierungen oder andere Maßnahmen (z. B. wirken arzneimittelhaltige Pflaster bei Wärme anders; Gefahr z. B. auch bei entwässerungsfördernden Medikamenten)
  • Beratung/Aufklärung hinsichtlich der Temperaturvorgaben von (nicht) und insbesondere von kühlpflichtigen Arzneien (Kühltaschen entsprechend vorhalten, Hinweise auf Lagerung und Transport geben)
  • Botendienste/Lieferung von Arzneimitteln anbieten, damit die betroffenen Patienten und Patientinnen nicht bei großer Hitze die Wohnung verlassen müssen
  • Generelle Beratung im Umgang mit den hohen Temperaturen, insbesondere bei vulnerablen Kundengruppen (z. B. auch schwangeren Frauen); Blutdruck messen, auf entsprechende vorbeugende Maßnahmen hinweisen (ausreichende Flüssigkeitszufuhr in den Hitzespitzen des Tages, Bewegung etc. vermeiden, zu Hause bleiben)

Die Apotheke als ‚Hitzeschutzinsel‘

Neben konkreten Beratungsangeboten können Apotheken aber auch ganz konkret als ‚Hitzeschutzinseln‘ fungieren – so eine entsprechende Initiative der Gruppe Pharmacists for Future (Ph4F) und der Apothekenkammer Nordrhein. Damit ist gemeint, dass es in der Apotheke eben auch kühl, weil klimatisiert ist und/oder ein Sitzplatz sowie ein Glas Wasser zur Verfügung gestellt werden; denn Apotheken sind niedrigschwellig erreichbar, ohne Termin zu besuchen und finden sich oft dort, wo Menschen sich im Alltag bewegen (z. B. beim Einkaufen etc.).

Wichtig ist zudem auch der entsprechende Schutz der Mitarbeitenden in den Apotheken: Trinkmöglichkeiten, Gestaltung der Dienstpläne, Beachtung der Herausforderungen des Botendiensts bei Hitzewellen etc.

Arzneimittelsicherheit durch Versandhandel gefährdet?

Ein Dorn im Auge ist den Vor-Ort-Apotheken dabei der Versandhandel, denn während in der Apotheke dauerhaft eine Temperatur von unter 25 Grad gewährleistet sein muss, kühlpflichtige Arzneien gesondert zu lagern sind, und auch der Großhandel beim Transport entsprechende Voraussetzungen zu erfüllen hat, herrschen in Logistikzentren und Lieferfahrzeugen von Paketdiensten im Sommer (aber auch im Winter) Temperaturen, die die Wirkung von Arzneien beeinträchtigen können. Daher hat der Gesetzgeber auch eine entsprechende nachzuweisende ‚Kühlpflicht‘ eingeführt, die Apothekenbetriebsordnung geändert und bei Verstößen können entsprechende Bußgelder verhängt werden. Seit Januar 2026 müssen Transportunternehmen entsprechende Kühlketten nachweisen/aufzeichnen, jedoch wird der Markt vom ausländischen Versandhandel dominiert und hier existiert nach wie vor eine juristische Grauzone (weil das ein Eingriff in EU-weites Handelsrecht, sprich ein Handelshemmnis, sei bzw. es keine Kontrollmöglichkeiten deutscher Behörden für die ausländischen Versender gäbe).

 

Kommentar:

Der Klimawandel hat dabei nicht nur Auswirkungen auf die Arzneimittelsicherheit und Gesundheit als Folge höherer Temperaturen, sondern gesundheitliche Risiken gehen z. B. auch als Folge der verlängerten Pollenflugzeiten einher oder der Feinstaubbelastungen. Bakterien und auch gewisse Viren können sich bei höheren Temperaturen besser verbreiten; Hitze erhöht das Stresslevel und damit auch psychische Belastungen.

Entsprechend hoch sind die hitzeinduzierten Krankheits- und Gesundheitsfolgekosten:

  • Greenpeace geht von Mehrkosten im Gesundheitssystem in Höhe von 1,54 Mrd. € aus (bezogen auf den Sommer 2026)
  • Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beziffert die Kosten einer dreitägigen Hitzewelle allein für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf 32 Mio. € (aufgrund der Erhöhung der Krankschreibungen um 5 %)
  • Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl hitzebedingter Sterbefälle bis Mitte August 2026 auf rund 15.800

In Summe – so Greenpeace – kumulieren sich die gesamten volkswirtschaftlichen Schäden des heißen Sommers 2026 auf 36 Mrd. € – neben den Gesundheitskosten fließen dabei auch folgende Aspekte mit ein: Produktivitätsverluste, geringeres Lernen, Ernteausfälle, Waldbrände, Niedrigwasser oder gesundheitsökonomisch bewertete geringere Lebenserwartungen (erhöhte Mortalität).

Siehe auch News vom 12.5.2026

Quellen:

Petra Seisl
Autor Dr. Petra Seisl
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