Deutsche Medizintechnik-Exporte nach Russland auf Rekordniveau

Deutsche Medizintechnik-Exporte nach Russland auf Rekordniveau

Die Ausfuhren deutscher Medizintechnik nach Russland haben im ersten Halbjahr 2025 einen Höchststand seit Beginn des Ukraine-Kriegs erreicht. Besonders stark wächst die Nachfrage nach Prothesen und künstlichen Gelenken.

Exportzahlen im Detail

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts exportierte Deutschland zwischen Januar und Juni 2025 Medizintechnikprodukte im Wert von 375 Mio. € (+6,6 %) nach Russland. Damit liegt der Wert höher als in jedem Halbjahr seit Kriegsbeginn im Februar 2022 (2023: 353 Mio. €; 2022: 304 Mio. €).

Ein besonders dynamisches Wachstum zeigt die Warengruppe „Prothesen und Waren der Prothetik“, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 40 % zulegte. Auch bei der Ausfuhr künstlicher Gelenke sind deutliche Steigerungen zu verzeichnen: Hier belief sich das Exportvolumen auf 22 Mio. €, ein Plus von fast 16 % (19 Mio. €) gegenüber 2024. Im ersten Halbjahr 2020 lag der Wert noch bei 8 Mio. €. Da die Statistik nicht preisbereinigt ist, wirkt sich die Inflation verstärkend auf die Zunahme aus.

Unterschiedliche Entwicklungen nach Produktgruppen

Während Prothesen und Gelenke im Exportgeschäft zulegen, verzeichneten andere Bereiche deutliche Rückgänge. So sanken die Ausfuhren von medizinischen Großgeräten wie Magnetresonanzgeräten und Ultraschallanlagen, da sie stärker von Exportkontrollauflagen betroffen sind.

 

Kommentar:

Warum ist die Medizintechnik von Sanktionen ausgenommen?

Die Europäische Union und Deutschland haben seit Beginn des Krieges weitreichende Sanktionen gegen Russland verhängt. Medizintechnikprodukte sind jedoch explizit ausgenommen, um die zivile Gesundheitsversorgung nicht zu gefährden. Diese Ausnahmeregelung erklärt, weshalb deutsche Unternehmen weiterhin in großem Umfang medizinische Geräte und Prothesen liefern dürfen, auch wenn andere Exportsegmente stark eingeschränkt sind.

Zugleich wird in der öffentlichen Debatte darauf hingewiesen, dass bestimmte Produkte auch zu militärischen Zwecken eingesetzt werden könnten. Die EU-Kommission und die zuständigen Behörden verlangen deswegen von Unternehmen eine strenge Sorgfaltsprüfung, um direkte oder indirekte militärische Verwendungen auszuschließen. Auch Lieferungen über Drittstaaten, die als Umgehungskanäle genutzt werden könnten, sind im Fokus. Trotz dieser Maßnahmen bleibt das Risiko einer zweckentfremdeten militärischen Nutzung bestehen. Deutsche Unternehmen betonen jedoch, dass sie keine Militärkrankenhäuser in Russland beliefern.

Marktentwicklung in Russland

Neben den aktuellen Exportzahlen deuten auch die Prognosen für den russischen Medizintechnikmarkt auf ein anhaltendes Wachstum hin. Der russische Markt für medizinische Geräte wird 2025 voraussichtlich ein Volumen von 3,80 Mrd. € erreichen. Das größte Segment stellen dabei Kardiologiegeräte mit einem prognostizierten Umsatz von 541,26 Mio. € dar.

Langfristig wird ein starkes Wachstum erwartet: Bis 2030 soll der Markt für Medizintechnik in Russland mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 6,11 % auf ein Volumen von 5,13 Mrd. € anwachsen.

Im globalen Vergleich bleibt Russland jedoch ein kleiner Markt. In den USA wird der Umsatz im Bereich Medizintechnik 2025 auf rund 182,36 Mrd. € geschätzt. Dennoch gilt Russland als aufstrebender Markt, der von wachsender Nachfrage nach innovativen Technologien und Lösungen geprägt ist.

Quellen:

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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