Die Apotheken-Filiale (2/4)

Die Apotheken-Filiale (2/4)
Im letzten Beitrag wurden die gesetzlichen Regelungen, die zahlenmäßige Entwicklung sowie Gründe und Ziele der Filialisierung erläutert. In dieser News stehen betriebswirtschaftliche Themen im Vordergrund. Unterschiede zwischen Hauptapotheke und Filiale hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung a) Umsatz/Wareneinsatz Den Umsatz und Rohertrag betreffend sind keine signifikanten Unterschiede zwischen der Haupt – und Filialapotheke zu erkennen, da diese Faktoren vom Standort und Typ der Apotheke abhängen und nicht vom Konstrukt Haupt- oder Filialapotheke. Jedoch können sich durch die Bündelung des Einkaufs Kostenvorteile durch verbesserte Einkaufskonditionen bzw. durch Reduzierung der Prozesskosten ergeben. Für ein aussagekräftiges Controlling ist die korrekte Zuordnung und Fakturierung der internen Lieferungen von wesentlicher Bedeutung. In der Praxis erfolgt die interne Fakturierung jedoch häufig nicht mit dem rabattierten Einkaufspreis. Dies hat zur Folge, dass die Apotheke, die den zentralen Einkauf durchführt, einen besseren Rohertrag und somit ein besseres Ergebnis ausweist als die anderen Apotheken im Verbund. b) Personalkosten Hier lassen sich signifikanten Unterschiede feststellen. So liegt die Personalaufwandsquote einer Filiale durchschnittlich 1,5-2,5 Prozentpunkte über den Personalkosten einer Hauptapotheke. Dies liegt daran, dass die Kosten für die Apothekenleitung (Filialleiter; bis zu 80.000,- Euro Bruttolohnaufwand p.a.) in der Filiale verbucht sind und in der Hauptapotheke die Kosten für den Inhaber gemäß der Rechtsform per se nicht enthalten sind. Auf der anderen Seite kümmert sich ein Filialleiter in der Regel weniger um administrative Aufgaben und kann sich dadurch mehr dem Handverkauf widmen. Dadurch können sich Einsparungen beim pharmazeutischen Personal ergeben. Jedoch sollte immer berücksichtigt werden, dass ggf. nicht alle anfallenden Personalkosten in der Filialapotheke verbucht sind. So zeigt die Praxis häufig, dass z.B. die Kosten für den Botendienst nur in der Hauptapotheke verbucht sind, obwohl der Bote auch für die Filiale tätig ist. c) Sonstige Kosten Zu diesem Punkt können aus unserer Sicht keine eindeutigen Aussagen zu Unterschieden zwischen Haupt- und Filialapotheken getroffen werden, da auch hier das gleiche Phänomen wie bei den Personalkosten zu beobachten ist, d. h., dass Kosten nicht verursachungsgemäß weiterberechnet werden. Hierzu gehören bspw. Aufwendungen für
  • Beiträge zu Berufsorganisationen,
  • Werbung, Marketing und Kommunikation,
  • Gebühren für die Rezeptabrechnung,
  • sonstige Kosten etc.,
was anhand dem nachfolgenden Beispiel verdeutlicht werden soll:
 
Haupt-Apotheke
01-12/2018
Filiale
01-12/2018
Umsatz
2.033
1.759
Rohertrag
484* (23,8 %)
522 (29,7 %)
Personalkosten
220 (10,8 %)
295 (16,8 %)
Raumkosten
31 (1,5 %)
37 (2,1 %)
Beiträge/Versicherungen
14 (0,7 %)
7 (0,4 %)**
Wartung/Instandhaltung
6 (0,3 %)
16 (0,9 %)
KfZ
24 (1,2 %)
0
Werbung
35 (1,7%)
7 (0,4 %)
Leasing
12 (0,6 %)
18 (1,0 %)**
Sonstige Kosten
47 (2,3 %)
19 (1,1 %)
Abschreibungen
18 (0,9 %)
16 (0,9 %)
Ergebnis vor Zinsen/Steuern
77 (3,8 %)
107 (6,1 %)
Zinsen
0
4 (0,2 %)
Ergebnis vor Steuern
77 (3,8 %)
103 (5,8 %)
GewSt
12 (0,6 %)
0
Vorl. JA-Überschuss
69 (3,8 %)
103 (5,8 %)
* Die geringere Rohertragsquote der Hauptapotheke resultiert aus der Standortsituation: Hauptapotheke befindet sich in einem Ärztehaus und die Filialapotheke in einem Nahversorgungszentrum. ** Die Filialapotheke verfügt über einen Automaten. d) Betriebsergebnis Vor dem Hintergrund der genannten Ausführungen weisen Filialen ein durchschnittliches Betriebsergebnis auf, das bei korrekter Zuordnung der Kosten ca. 1,5-2,5 Prozentpunkte unterhalb des Ergebnisses einer Hauptapotheke liegt. Quelle: Marco Benz – http://www.apomind.de/   Unser Kommentar/Praxistipp ist nur für ATLAS MEDICUS® Kunden ersichtlich.
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