DIHVA: Digitales KI-basiertes Entlastungsmodell in der Erprobung

DIHVA: Digitales KI-basiertes Entlastungsmodell in der Erprobung

Mit dem Projekt DIHVA (Digitale Hausärztliche Versorgungsassistenten) finanziert die Techniker Krankenkasse (TK) derzeit in Nordrhein-Westfalen ein Modellprojekt, das Hausarztpraxen entlasten soll. Die Besonderheit: Das Modell richtet sich an heilberufliche Laien, die nach einer nur dreieinhalbmonatigen Qualifizierung Routineaufgaben übernehmen sollen. Möglich wird dies durch standardisierte Diagnostik-Sets und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Moderne, KI-gestützte Geräte führen die DIHVA strukturiert durch den diagnostischen Prozess und unterstützen bei der Erfassung und Analyse der Daten. Zum Leistungsspektrum zählen unter anderem Blutentnahmen, EKG, Blutdruckmessungen, Ohrenuntersuchungen sowie Hautaufnahmen. Alle Ergebnisse und Informationen werden in einer digitalen Patientenakte dokumentiert und dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt. Die Befundbesprechung mit dem Arzt erfolgt anschließend telefonisch oder im Rahmen einer Videosprechstunde. Bei Bedarf wird der Patient in die Praxis einbestellt. Die DIHVA übernimmt ausschließlich unterstützende Tätigkeiten. Diagnosestellung sowie Entscheidungen zu weiterer Diagnostik und Therapie liegen ausschließlich beim Arzt. Die Terminbuchung erfolgt digital. Vor den Untersuchungen erfolgt eine KI-gestützte Triage, die sicherstellt, dass Patienten bei Bedarf sofort in die stationäre Versorgung oder direkt in eine Arztpraxis weitergeleitet werden.

Aktuell wird das Projekt selektivvertraglich finanziert. Perspektivisch besteht das Ziel, das Modell in die Regelversorgung zu übertragen.

 

Kommentar:

In der hausärztlichen Versorgung erweist sich neben dem Ärztemangel zunehmend auch der Mangel an qualifiziertem Praxispersonal als Engpassfaktor. Deshalb könnten abgestufte hybride Versorgungsstrukturen dazu beitragen, Hausarztpraxen zu entlasten und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Da für eine Tätigkeit als DIHVA keine vorherige medizinische Ausbildung erforderlich ist, besteht die realistische Aussicht, rasch eine ausreichende Anzahl an Helfern zu gewinnen. Einsatzmöglichkeiten bestehen den Initiatoren zufolge nicht nur in Arztpraxen selbst, sondern auch als mobile oder ausgelagerte Praxis-Außenstellen – etwa in Pflegeeinrichtungen, Gemeindezentren oder Apotheken. Damit ließen sich insbesondere in ländlichen Regionen neue Zugänge zur hausärztlichen Versorgung schaffen. Voraussetzung für einen solchen Ansatz sind jedoch klare rechtliche und fachliche Rahmenbedingungen – insbesondere in Bezug auf Ausbildung, Supervision, Datenschutz, Haftung und Qualitätssicherung. Verbindliche Sicherheitsmechanismen und gezielte Schulungsprogramme müssen gewährleisten, dass Fehlmessungen und Fehlinterpretationen, insbesondere bei KI-gestützten Ersteinschätzungen, vermieden werden.

Quellen:

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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