DKI-Krankenhauskonjunktur-barometer: schlechte Stimmung in den Kliniken

DKI-Krankenhauskonjunktur-barometer: schlechte Stimmung in den Kliniken

Die bereits angespannte wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser verschärft sich weiter. Zu diesem Ergebnis kommt die Ersterhebung des neu entwickelten Krankenhauskonjunkturbarometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).

Konjunkturbarometer speziell für die Krankenhausbranche

Analog zum ifo-Geschäftsklimaindex hat das DKI erstmals ein eigenes Konjunkturbarometer für die Krankenhausbranche entwickelt. Es soll als Indikator für die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser und deren erwartete Entwicklung dienen. Grundlage ist ein standardisierter Geschäftsklima-Saldo mit einer Spannweite von -100 bis +100 Punkten. Ein Wert von -100 bedeutet, dass alle befragten Krankenhäuser ihre aktuelle Lage als schlecht bewerten und von einer weiteren Verschlechterung ausgehen. Ein Wert von +100 steht dagegen für eine durchweg positive Einschätzung und die Erwartung einer Verbesserung.

Kliniken deutlich pessimistischer als die Gesamtwirtschaft

Laut der ersten repräsentativen Erhebung unter 185 Allgemeinkrankenhäusern bewerten derzeit fast drei Viertel der Kliniken (74 %) ihre wirtschaftliche Lage als (eher) unbefriedigend. Zudem rechnen 59 % der Häuser mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation. Der aktuelle Geschäftsklima-Saldo der Krankenhäuser liegt bei -63 Punkten und damit deutlich unter dem ifo-Geschäftsklimaindex, der im ersten Quartal 2026 branchenübergreifend zwischen -7 und -11 Punkten lag. Besonders kritisch ist die Lage bei großen Krankenhäusern mit mehr als 600 Betten (-72 Punkte) sowie bei Kliniken in dünn besiedelten ländlichen Gebieten (-76 Punkte). Am besten – wenngleich ebenfalls negativ – fielen die Ergebnisse bei den Häusern der Größenklasse 300-599 Betten (-59) sowie Krankenhäusern in kreisfreien Großstädten (-55) aus.

 

Kommentar:

Die Ergebnisse des neuen Krankenhauskonjunkturbarometers kommen wenig überraschend. Die deutschen Krankenhäuser stehen seit Jahren unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) schreiben gegenwärtig rund 70 % der Kliniken rote Zahlen, etwa ein Drittel gilt als insolvenzgefährdet. Hinzu kommen ein milliardenschwerer Investitionsstau bei Gebäuden, Medizintechnik und Digitalisierung sowie anhaltende Personalengpässe.

Kurzfristige Einsparungen treffen auf tiefgreifende Strukturreform

Besonders problematisch ist, dass die geplanten Einsparungen im Rahmen des GKV-Spargesetzes ausgerechnet in die sensible Umsetzungsphase der Krankenhausreform fallen. Die Reform soll den Strukturwandel der Krankenhauslandschaft geordnet gestalten und eine stärkere Spezialisierung sowie Konzentration von Leistungen ermöglichen. Gleichzeitig erhöhen zusätzliche Sparvorgaben den finanziellen Druck auf viele Häuser. Vor allem kleinere Krankenhäuser in ländlichen Regionen könnten dadurch wirtschaftlich an ihre Grenzen geraten. Als problematisch erweist sich zudem, dass auch viele kommunale und freigemeinnützige Träger selbst unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Branchenexperten rechnen daher damit, dass die Zahl der Insolvenzen, Fusionen und Trägerwechsel weiter steigen wird.

Krankenhäuser stehen vor zahlreichen Herausforderungen

Hinzu kommt eine weiterhin eingeschränkte Planungssicherheit im Zuge der Krankenhausreform. Zahlreiche Detailfragen – etwa zur künftigen Krankenhausfinanzierung – sind noch nicht abschließend geklärt. Gleichzeitig stehen die Kliniken vor weiteren Herausforderungen: dem anhaltenden Fachkräftemangel, dem zunehmenden Ambulantisierungsdruck bei stagnierenden stationären Fallzahlen, hohen Anforderungen an die Digitalisierung sowie einem stetig wachsenden Dokumentations- und Berichtswesen.

Quellen:

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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