Entlastung der Notaufnahme durch Selbsteinschätzung der Patienten

Entlastung der Notaufnahme durch Selbsteinschätzung der Patienten

Seit November 2024 wird am Standort des Ärztlichen Notdienstes Bremen-Mitte am St. Joseph-Stift Bremen die digitale Selbsteinschätzung mittels SmED-Patiententerminals oder via QR-Code per Patientensmartphone erprobt.

Alle Patienten, die fußläufig die Notaufnahme aufsuchen, können die digitale Selbsttriage an einem Computerterminal bzw. per Smartphone durchzuführen. Dabei ist die virtuelle Selbsteinschätzung freiwillig. Die Grundlage bildet die etablierte Selbsteinschätzungssoftware SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung für Deutschland). Die Software kommt dabei am sogenannten „gemeinsamen Tresen“ zum Einsatz, über den der Patientenzugang durch eine professionelle SmED-Ersteinschätzung zentral gesteuert wird, sowohl für den Ärztlichen Notdienst der KVHB als auch für die Notaufnahme des St. Joseph-Stifts.

Die bisherige Bilanz fällt insgesamt positiv aus: Insbesondere digital-affine Patienten jüngerer und mittlerer Altersgruppen sowie das medizinische Fachpersonal nehmen das Angebot gut an. Zwar zeigen sich im Einzelfall Grenzen der Selbsteinschätzung, etwa wenn Ergebnisse aus medizinischer Sicht zunächst nicht plausibel erscheinen und durch ein professionelles Assessment ergänzt werden müssen. Dennoch ergibt sich in der Gesamtbetrachtung eine spürbare Entlastung, da die Zahl notwendiger professioneller Ersteinschätzungen um rund 16 % reduziert werden konnte. Zudem hat sich das System in Einzelfällen bereits bewährt, indem Notfälle frühzeitig erkannt wurden, die beim ersten klinischen Eindruck zunächst unentdeckt geblieben waren.

 

Kommentar:

Der nutzenorientierte Einsatz digitaler Lösungen, wie im Fall des SmED-Patiententerminals, entlastet nicht nur das medizinische Personal, sondern verbessert zugleich die Versorgungsqualität. Notfälle können so frühzeitig erkannt und einer adäquaten Behandlung zugeführt werden.

Derartige Ansätze zur gezielten Patientensteuerung dürften künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Nicht zuletzt forciert auch die Gesundheitspolitik den Aufbau Integrierter Notfallzentren (INZ) an ausgewählten Klinikstandorten. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde hierzu erst kürzlich auf den Weg gebracht und unterstreicht die wachsende Relevanz strukturierter, digital unterstützter Ersteinschätzungsverfahren.

Quelle: KVHB – SmED-Patiententerminal

Stefanie Gorr
Autor Stefanie Gorr
Arrow right icon