Entlastung durch Physician Assistants beim Hausarzt

Entlastung durch Physician Assistants beim Hausarzt

Vor zehn Jahren wurde der erste Studiengang zum Physician Assistant (PA) ins Leben gerufen. Damals sollte ein Berufsbild geschaffen werden, das Krankenpflegepersonen bzw. Medizinische Fachangestellte befähigt, erweiterte Aufgaben und Tätigkeiten, die nicht unter den Arztvorbehalt fallen, zu übernehmen. Inzwischen gibt es etliche Ausbildungsstellen und fertig ausgebildete PAs. Nach dem Einsatz im stationären Kontext rückt nun immer mehr die ambulante Versorgung in den Fokus. Nicht zuletzt durch den Mangel an Ärzten und MFA vorangetrieben.

Positive Rückmeldungen aus den Praxen

Im Rahmen eines Modellprojektes der KV Westfalen-Lippe wurde jeweils ein PA in zehn hausärztlichen Praxen eingesetzt und evaluiert.

Bei der Auswertung, die im Rahmen von Interviews erfolgte, konnte ein überwiegend positives Fazit gezogen werden.

Die Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber waren mit der Arbeit ihres PAs sehr zufrieden. Sie wurden bei vielen Tätigkeiten entlastet. Allerdings führte der Einsatz eines PAs nicht zu einer Reduzierung der Arbeitszeit. Im Team waren sie fachlich und menschlich eine Bereicherung.

Auch die Patienten äußerten sich sehr positiv.

Finanzierung noch ungeklärt

Ungeklärt ist neben der Finanzierung außerhalb eines Modellprojektes die Rolle eines PAs sowie die Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche.

Aufgabenbereiche der Physician Assistants sind definiert

Nun hat die Bundesärztekammer ein Positionspapier zum Tätigkeitsrahmen veröffentlicht. Aufgrund des zunehmenden Einsatzes in den Praxen müssen die Aufgabenbereiche klar definiert sein. In dem Papier wird zwischen Grundkompetenzen – und erweiterten Kompetenzen unterschieden. Erweiterte Kompetenzen können durch Zusatzaus- und Fortbildungen erworben werden.

Im Rahmen der Grundkompetenzen können beispielsweise folgende Tätigkeiten durchgeführt werden:

  • Anamnese und Dokumentation der körperlichen Untersuchung
  • Durchführung von Assessments
  • Erkennen wichtiger Krankheitsbilder
  • Einordnen und Auswerten von Laborbefunden
  • Legen von peripheren Gefäßzugängen
  • Legen eines Blasenkatheters
  • Anlegen von Infusionen
  • Unterstützung oder Durchführung von Visiten
  • Durchführung von Hausbesuchen

Mit erweiterten Kompetenzen können beispielsweise folgende Untersuchungen/Tätigkeiten durchgeführt werden:

  • Sonografie
  • Wundmanagement
  • Management von Drainagen und Stoma
  • Anlegen funktioneller Verbände
  • Mitarbeit an klinischen Studien

 

Kommentar:

Die Auswertung zeigt, dass durch den Einsatz eines Physician Assistants eine deutliche Entlastung für die Ärzte in Hausarztpraxen möglich ist. Das Positionspapier der Bundesärztekammer ist hilfreich für die Abgrenzung der delegationsfähigen Tätigkeiten entsprechend der Qualifikation. Das ist längst überfällig, da viele medizinische Fachberufe gut ausgebildet und qualifiziert sind. Oft werden sie nicht entsprechend der Qualifikation eingesetzt.

Die Verantwortung, welche Tätigkeiten delegiert werden, liegt bei der jeweiligen Ärztin/Arzt. Deshalb ist ein klarer rechtlicher Rahmen notwendig. Andererseits braucht es die Bereitschaft zu delegieren und eine klare Kommunikation darüber. Vor allem aber müssen die Modellprojekte den Weg in die Regelversorgung finden.

Quellen:

Andrea Kern-Schnur
Autor Andrea Kern-Schnur
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