ePA im europäischen Vergleich: Skandinavien bleibt Vorreiter

ePA im europäischen Vergleich: Skandinavien bleibt Vorreiter

Die inav GmbH hat im Auftrag der Rhön Stiftung erneut den Stand der Implementierung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Europa bewertet. Mit der Untersuchung soll Transparenz über den Digitalisierungsgrad der einzelnen Gesundheitssysteme geschaffen sowie auf Hürden und funktionierende Lösungen aufmerksam gemacht werden. Nach Erhebungen in den Jahren 2016 und 2018 liegt nun die dritte Ausgabe der Scorecard vor, die 26 europäische Länder vergleicht.

In den vorherigen Erhebungen war besonders die Frage zentral, ob und in welchem Umfang eine elektronische Patientenakte in den untersuchten Ländern implementiert ist. Die aktuelle Erhebung lenkt den Fokus eher auf Qualität, Reife und Nutzungstiefe der bestehenden Systeme.

Finnland und Dänemark führen erneut

Nach wie vor führen Finnland und Dänemark das europäische Ranking an. Dies liegt daran, dass beide Staaten eine weitgehend ausgereifte Implementierung der ePA aufweisen, die sowohl technisch als auch institutionell stark verankert ist. Dänemark erzielt die Spitzenwerte in den Kategorien, die die Inhalte und Funktionen der ePA untersuchen. Bei rechtlichen Rahmenbedingungen belegt das Land eine mittlere Position. Im Gegensatz dazu zeigt Finnland in allen Kategorien ein positives Bild und gilt damit weiterhin als Vorbild für eine Digitalstrategie im Gesundheitswesen.

Dynamik und Verschiebung im Ranking: Slowenien steigt auf

Ein überraschendes Ergebnis zeigt Slowenien: Während es bislang auf den letzten Plätzen lag, schafft es Slowenien bei der aktuellen Untersuchung auf Rang fünf. Grund hierfür ist insbesondere die starke Verbesserung in den Inhalts- und Funktionskategorien. In diesem Bereich konnte sogar eine Spitzenposition erreicht werden.

Deutschland: Gute Regulierung, geringe Nutzungstiefe

Deutschland ordnet sich 2025 im unteren Mittelfeld ein. Positiv hervorzuheben sind die Fortschritte bei der Regulatorik, die durch das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) von 2020 und das Digital-Gesetz (DigiG) von 2023 wesentlich gestärkt wurden. Seit Januar 2025 ist das Opt-out-Verfahren eingeführt, sodass die ePA künftig für alle gesetzlich Versicherten automatisch angelegt wird, sofern kein Widerspruch erfolgt. Die praktischen Auswirkungen dieser Reformen zeigen sich in der aktuellen Scorecard jedoch noch nicht, da die zugrunde liegenden Daten größtenteils aus den Jahren vor 2025 stammen. Nachholbedarf zeigt sich vor allem in den Kategorien Inhalte und Funktionen sowie bei der Interoperabilität, was auf eine bislang unzureichende Integration der ePA in den Versorgungsalltag und technische Kompatibilitätsprobleme zwischen Akteuren hinweist.

Abb. Länder-Ranking anhand der gewichteten Gesamtpunktzahl

Die Abbildung zeigt die gewichtete Gesamtpunktzahl der untersuchten Länder in absteigender Reihenfolge.

Quelle: European Scorecard zum Stand der Implementierung der elektronischen Patientenakte; Rhön Stiftung

 

Kommentar:

Die dritte Erhebung der European Scorecard zeigt ein weiterhin anhaltendes Gefälle zwischen den nordeuropäischen Vorreiterländern und den stärker fragmentierten Systemen Mittel- und Südeuropas. Skandinavische Länder zeigen längst, wie eine patientenzentrierte, datengestützte Versorgung funktionieren kann. Gleichzeitig kämpfen Länder wie Deutschland mit strukturellen und organisatorischen Hürden. Trotz klarer gesetzlicher Grundlagen stockt hier dann die Umsetzung im Versorgungsalltag – ein bekanntes Muster in der deutschen Digitalpolitik.

Quelle: Rhön Stiftung – European Sorgard zum Stand der Implementierung der elektronischen Patientenakte

Autor Fanny Mauch
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