ePA: Kliniken kommen bei Einführung nur langsam voran

ePA: Kliniken kommen bei Einführung nur langsam voran

Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist bei der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Verzug. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter knapp 490 Kliniken.

Pflicht zur Nutzung bereits seit Oktober 2025

Aus rechtlicher Sicht sind die Kliniken bereits seit Anfang Oktober 2025 zur Nutzung der ePA verpflichtet. Das heißt, sie müssen technisch in der Lage sein, Daten aus der ePA auszulesen und in die Akte einzustellen. Neben dem Anschluss an die Telematikinfrastruktur ist deshalb Voraussetzung, dass das Krankenhausinformationssystem (KIS) die ePA unterstützt. Dies ist jedoch noch nicht flächendeckend der Fall. Laut Umfrage war Stand Februar 2026 nur in 82 % der Krankenhäuser ein ePA-Update für das KIS/KAS verfügbar.

Über die Hälfte der Kliniken plant eine vollständige ePA-Nutzung bis Mitte 2026

57 % der Kliniken halten es für realistisch, die ePA-Nutzung noch innerhalb des ersten Halbjahres 2026 im gesamten Krankenhaus zu ermöglichen. Rund ein Viertel terminiert dies für das dritte Quartal, und bei rund einem Fünftel könnte sich die krankenhausweite ePA-Nutzung sogar bis über das vierte Quartal 2026 hinaus verzögern (vgl. Abb.).

Abb.: Geschätzter Zeitpunkt der ePA-Nutzung im gesamten Krankenhaus

Geschätzter Zeitpunkt der ePA-Nutzung im gesamten Krankenhaus

Quelle: DKI 2026; Grafik Rebmann Research

Strukturelle und technische Probleme behindern Umsetzung

Befragt nach den Ursachen der verzögerten Implementierung der ePA nennen die Krankenhäuser insbesondere die fehlende oder verspätete Bereitstellung geeigneter Software durch die Hersteller, unvollständige Funktionalitäten sowie eine unzureichende Berücksichtigung der Komplexität der Krankenhausumgebung. Darüber hinaus zählen technische Schwierigkeiten, Datenschutzbedenken und ein mangelnder technischer Support zu den zentralen Hemmnissen. Auch organisatorische Probleme bei der Umsetzung und der hohe zeitliche und personelle Aufwand stellen erhebliche Herausforderungen dar, insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter personeller Ressourcen im Klinikalltag. Zusätzlich kommt es beim Personal zu Akzeptanzproblemen, die vor allem auf eine wahrgenommene zusätzliche Arbeitsbelastung zurückzuführen sind.

 

Kommentar:

Nach den bisherigen Erfahrungen mit der Einführung der Telematikinfrastruktur und ihrer Anwendungen sind die Ergebnisse der DKI-Blitzumfrage nicht überraschend: Unzureichende Softwarelösungen, technische Probleme und fehlender Support treffen auf hochkomplexe Krankenhausstrukturen, die sich nicht ohne Weiteres standardisieren lassen. Hinzu kommen knappe personelle Ressourcen und Akzeptanzprobleme im klinischen Alltag. Insgesamt bestätigt sich ein bekanntes Muster der Digitalisierung im Gesundheitswesen: Die Einführung erfolgt top-down und fristgebunden, während die praktische Umsetzung an technischen, organisatorischen und personellen Realitäten scheitert oder sich zumindest deutlich verzögert. Ohne eine realistischere Zeitplanung, stabilere technische Lösungen und stärkere Unterstützung der Einrichtungen droht die Digitalisierung der Krankenhäuser auch weiterhin hinter den Erwartungen zurückzubleiben.

Quellen:

 

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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