Bundesweit ist die Zahl der Apotheken im Jahr 2025 um – prognostiziert – über 400 Standorte gesunken (bislang liegen nur die Zahlen bis Ende des 3. Quartals vor: bis dahin waren es 309 Apotheken weniger im Vergleich zum Vorjahr). Im Vergleich zum Vorjahr 2024, als mit 530 so viele Apotheken wie nie ihre Pforten schlossen, ist der Rückgang geringer.
Zankapfel – (ausländischer) Versandhandel
Die Zahl der Apotheken hat sich damit seit 2008 (damals war mit 21.602 ein Höchststand erreicht worden) um 23 % reduziert – d. h. es gibt fast ein Viertel weniger Apothekenstandorte. Dabei hat sich das Apothekensterben in den letzten vier Jahren zugespitzt. Während bis 2021 pro Jahr im Schnitt 1,5 % weniger Apotheken zu verzeichnen waren, erhöhte sich der Wert 2022 auf über 2 %, 2024 waren es mit einem Minus von 530 Apotheken im Jahresvergleich sogar -3 %. Allein in den letzten vier Jahren ist damit die Zahl der Apotheken im Bundesgebiet um 10 % gesunken.
Allerdings liegt der Wert mit geschätzt 400 Apotheken weniger zum Jahresende 2025 unter den Niveaus der Vorjahre, was vielleicht mit einer Trendwende einhergehen könnte; d. h. jene Apotheken, die aufgrund negativer oder zu geringer Renditen den Betrieb aufgaben, haben zum großen Teil den Markt verlassen.
| 2008 | 21.602 Apo. | 3.796 |
| 2009 | 21.548 Apo. | 3.796 |
| 2010 | 21.441 Apo. | 3.813 |
| 2011 | 21.238 Apo. | 3.782 |
| 2012 | 20.921 Apo. | 3.849 |
| 2013 | 20.662 Apo. | 3.909 |
| 2014 | 20.441 Apo. | 3.972 |
| 2015 | 20.249 Apo. | 4.058 |
| 2016 | 20.023 Apo. | 4.121 |
| 2017 | 19.748 Apo. | 4.192 |
| 2018 | 19.423 Apo. | 4.274 |
| 2019 | 19.075 Apo. | 4.360 |
| 2020 | 18.753 Apo. | 4.434 |
| 2021 | 18.461 Apo. | 4.509 |
| 2022 | 18.068 Apo. | 4.600 |
| 2023 | 17.571 Apo. | 4.750 |
| 2024 | 17.041 Apo. | 4.904 |
| 2025 | 16.641 Apo. | 5.018 |
Gründe für das Apothekensterben sind vielfältig
Der Margendruck für Apotheken war in den letzten Jahren sehr hoch, steigende Kosten (Energiepreise, Mietkosten, Personalkosten, Fachkräftemangel, steigender Mindestlohn, geringere Verhandlungsmacht beim Einkauf von Arzneien etc.) resultierten bei konstanter Apothekenvergütung zu sinkender Rendite. Temporär kam der erhöhte Zwangsabschlag zusätzlich belastend hinzu.
Die Standesvertreter fühlen sich seit geraumer Zeit nicht von der Politik gehört, eine Reformierung der Vergütung ist – aus deren Sicht – längst überfällig und der Entwurf der aktuellen Apothekenreform bringt allenfalls punktuelle Verbesserung, eine Honorarerhöhung lässt weiterhin auf sich warten. Das bringt Verunsicherung mit sich und führt zu noch höheren Markteintrittshürden beim knappen Apotheker- und Apothekerinnennachwuchs. Belastend kommen des Weiteren bürokratische Hürden, teure Langzeitverträge (z. B. für Miete oder Software) hinzu, was die Attraktivität beim Nachwuchs, die ihre fachlichen Kompetenzen einbringen wollen, weiter reduziert. Gleichzeitig wird das Risiko einer Apothekenübernahme, weil diese immer höhere Umsätze erzielen und mehr Personal beschäftigen (sofern es verfügbar ist), auch größer. Wenn dann noch Ärzte im Umkreis wegfallen, erhöht sich das Standortrisiko.
In manchen Regionen finden sich auch für rentable Betriebe keine Nachfolger/innen oder diese werden von vielen Nachtdiensten abgeschreckt. Der Fachkräftemangel führt häufig dazu, dass Inhaber/innen mehr Stunden aufbringen müssen, um das Arbeitspensum zu bewältigen.
Eine Apotheke versorgt mittlerweile über 5.000 Einwohner
Während 2008 eine Apotheke im Bundesdurchschnitt noch unter 3.800 Einwohner versorgte, sind es nun mehr als 5.000 – das ist fast ein Drittel mehr (plus 33 %). Zudem ist die Bevölkerung gealtert, was mit vermehrtem Arzneimittelbedarf einhergeht. In Summe bedeutet das, dass die durchschnittliche Apotheke größer geworden ist, sie beschäftigt mehr Personal, hat ein höheres Kundenaufkommen und erlöst höhere Umsatzvolumina. Zwar verändert sich bei höherem Umsatz auch die prozentuale Rendite und verringert sich leicht, allerdings lassen sich die Margenverluste bei den Apotheken nicht nur dadurch erklären; hinzu kommt, dass ein Apothekenstandort nicht einfach nach oben skalierbar ist (begrenzte Platzverhältnisse, Personalmangel etc.).
Kommentar:
Dass der Rückgang an Apotheken 2025 etwas unter dem Niveau der Vorjahre lag, könnte einerseits darauf hindeuten, dass das Tal durchschritten ist, dass künftig nicht mehr so viele Standorte wegfallen werden, andererseits sehen sich Apotheken auch in 2026 (zusätzlichen) Herausforderungen gegenüber, wie dem erhöhten Mindestlohn, erweiterten Funktionen in der elektronischen Patientenakte, Konkurrenz durch Versandhandel bzw. Intensivierung der Konkurrenz auch durch andere Player wie z. B. Amazon oder die Drogeriemarktkette dm (die seit Dezember 2025 mit der Online-Apotheke dm-med rund 2.500 rezeptfreie Medikamente (OTC-Produkte) sowie apothekenexklusive Kosmetika anbietet).
Es wundert daher nicht, dass die Stimmung bei der Apothekerschaft entsprechend schlecht ist. Gemäß einer aposcope-Befragung vom Dezember – einige Tage bevor das Apothekenreformgesetz das Kabinett passierte! – geht ein Viertel der Befragten von einer Verschlechterung ihrer Lage in 2026 aus, nur 8 % rechnen mit einer Verbesserung. Bezogen auf die gesamte Apothekenbranche sind es sogar drei Viertel, die eine Verschlechterung prognostizieren gegenüber bescheidenen 2 %, die an eine Verbesserung glauben. Gemäß dem Apotheken-Konjunkturindex (APOkix) vom November 2025 hat sich jedoch die Prognose der Apothekerschaft insbesondere im Vergleich zu allen anderen monatlich erhobenen Werten des Jahres 2025 verbessert (wobei der Wert schlechter ist als zum Jahresende 2024).
Geht es um das Nachfolgerproblem, darf die Psychologie nicht außer Acht gelassen werden: Seit Jahren fokussiert sich die Branche auf die negativen Herausforderungen (Bürokratie, Lieferengpässe, Personalmangel, Retax, Probleme bei der Digitalisierung, mangelndes Gehör in der Politik) – das erhöht nicht unbedingt die Attraktivität beim Nachwuchs, eine Apotheke zu übernehmen!
Quellen:
- IFH Köln – APOkix November 2025
- apotheke adhoc – 2026: Viele Herausforderungen für Apotheken
- dm – Neuer Impuls für den Gesundheitsmarkt: Start der Versand-Apotheke dm-med
- ABDA zu den Apothekenzahlen
- Statistisches Bundesamt zu den Bevölkerungszahlen
- ATLAS MEDICUS