EU-Mercosur-Abkommen eröffnet Medizintechnik neue Marktchancen

EU-Mercosur-Abkommen eröffnet Medizintechnik neue Marktchancen

Mit dem EU-Mercosur-Abkommen eröffnen sich für zahlreiche Wirtschaftsbranchen neue internationale Perspektiven – auch die Medizintechnikbranche kann von verbesserten Marktzugängen und dem Abbau von Handelshemmnissen spürbar profitieren. Der Industrieverband Spectaris bewertet die Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens als wichtigen Impuls für die Medizintechnikbranche. Mit dem Abkommen würden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika vertieft und insbesondere deutschen Unternehmen neue Wachstumschancen eröffnet.

Strategische Chancen in der Partnerschaft mit Lateinamerika

Abbau von Einfuhrzöllen:

Bislang geltende Zölle von häufig 14 bis 18 % auf medizinische und diagnostische Geräte sollen vollständig entfallen. Für viele mittelständische Medizintechnikunternehmen verbessert dies die Wettbewerbsfähigkeit deutlich und erleichtert den Marktzugang in den Mercosur-Staaten erheblich.

Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen:

Öffentliche Aufträge – insbesondere im Gesundheitswesen – enthielten bislang vielfach protektionistische Elemente, die ausländische Anbieter benachteiligten. Der künftig geregelte und transparentere Zugang eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten, etwa bei der Ausstattung von Krankenhäusern, Laboren und diagnostischen Einrichtungen.

Entlastung von KMU:

Zusätzliche Erleichterungen ergeben sich durch transparentere Zollverfahren und klarere regulatorische Rahmenbedingungen. Davon profitieren insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, für die administrative Hürden bislang häufig eine Markteintrittsbarriere darstellten.

Diversifizierung stärken, Risiken berücksichtigen

Spectaris sieht in dem Abkommen zudem ein wichtiges Signal gegen zunehmenden Protektionismus auf globaler Ebene. Offene, verlässliche und faire Handelsbeziehungen stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche und tragen zur Diversifizierung von Absatzmärkten und Lieferketten bei.

Gleichzeitig mahnt der Verband, geopolitische Spannungen und mögliche handelspolitische Gegenreaktionen anderer globaler Akteure im Blick zu behalten. Diese Risiken dürfen jedoch nicht den strategischen Wert einer engeren Partnerschaft mit Lateinamerika überlagern.

 

Kommentar:

Mercosur (Mercado Común del Sur) ist ein südamerikanischer Wirtschaftsverbund, dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören. Ziel des 1991 gegründeten Bündnisses ist der schrittweise Aufbau eines gemeinsamen Marktes mit weitgehendem Zollabbau innerhalb des Staatenblocks sowie einer gemeinsamen Handelspolitik gegenüber Drittstaaten. Mit rund 295 Mio. Einwohnern zählt Mercosur zu den größten Wirtschaftsräumen außerhalb Europas. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen wurde das EU-Mercosur-Handels- und Partnerschaftsabkommen am 17.1.2026 in Asunción (Paraguay) offiziell unterzeichnet.

Quellen:

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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