Trotz eines leichten Anstiegs in den vergangenen Jahren sind Medizinerinnen in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Dies belegt die Studie Medical Women On Top des Deutschen Ärztinnenbundes aus dem Jahr 2024. Besonders deutlich zeigen sich die Geschlechterdisparitäten auf der obersten Führungsebene: Klinikdirektorinnen stellten im Jahr 2024 lediglich 14 % der Leitungspositionen – ein nur marginaler Anstieg gegenüber 13 % im Jahr 2022. Die höchsten Frauenanteile in der Klinikdirektion finden sich in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe (25 %), in der Psychiatrie bzw. seelischen Gesundheit (24 %) sowie in der Dermatologie (23 %). In chirurgisch geprägten Fächern wie der Allgemein- und Viszeralchirurgie, der Neurochirurgie sowie der Augenheilkunde hingegen lag der Anteil weiblicher Klinikdirektorinnen mit jeweils nur 5 % auf einem äußerst niedrigen Niveau.
Positiver Trend in der mittleren Führungsebene
Ein Blick auf die mittleren Führungsebenen zeigt hingegen eine positive Entwicklung: So erhöhte sich der Frauenanteil in Oberarztpositionen über alle Fachrichtungen hinweg – mit Ausnahme der Pathologie – von 37 % im Jahr 2022 auf 45 % im Jahr 2024. Damit nähert sich die Geschlechterverteilung in dieser Hierarchiestufe zunehmend einer Parität an. Auch auf der Ebene der medizinischen Fakultätsleitungen lässt sich ein positiver Trend beobachten: Während im Jahr 2019 zeitweise keine Frau das Amt einer Dekanin innehatte, stieg diese Zahl 2024 auf zehn Dekaninnen. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede in der fachlichen Verteilung. Die höchsten Anteile von Oberärztinnen wurden im Jahr 2024 in der Frauenheilkunde, Dermatologie sowie Kinder- und Jugendmedizin verzeichnet. Demgegenüber weisen traditionell männlich dominierte Fächer wie die Chirurgie, Urologie und Neurochirurgie die geringsten Frauenanteile in Oberarztpositionen auf.
Zum Hintergrund der Studie
Im Rahmen der Untersuchung wurden 14 klinische Fachrichtungen an 36 deutschen Universitätskliniken analysiert – mit besonderem Fokus auf klinische Leitdisziplinen auf dem höchsten Besoldungsniveau (W3). Diese Positionen sind nicht nur hinsichtlich Status und Vergütung bedeutend, sondern auch deshalb, weil sie maßgeblichen Einfluss auf die medizinische Ausbildung, therapeutische Entscheidungsprozesse sowie auf die strategische Ausrichtung und Finanzierung medizinischer Forschung nehmen.
Kommentar:
Die aktuellen Zahlen zur Feminisierung der Medizin deuten auf eine tiefgreifende demografische Veränderung innerhalb der ärztlichen Profession hin. Im Wintersemester 2024/25 lag der Frauenanteil unter den Medizinstudierenden bereits bei 65 %, und auch in der ambulanten Versorgung stellen Ärztinnen laut Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit 52 % mittlerweile die Mehrheit. Dennoch belegt die Studie des Deutschen Ärztinnenbundes, dass sich diese Entwicklung bislang kaum in den Führungsetagen des Gesundheitssystems widerspiegelt. Trotz verbesserter Zugangsmöglichkeiten und gezielter Fördermaßnahmen bleibt der Weg in Spitzenpositionen für Ärztinnen herausfordernd. Die geringe Wirkung bestehender Anreizsysteme deutet darauf hin, dass Karriereentscheidungen von Medizinerinnen nicht allein durch individuelle Ambitionen, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel sozialer, kultureller und organisatorischer Faktoren geprägt sind. Um hier echte Gleichstellung zu erreichen, bedarf es zunächst einer systematischen Aufarbeitung der Ursachen.
Quelle: Deutscher Ärztinnenbund e.V. – Frauen in Führungspositionen