In Deutschland haben immer mehr Menschen Probleme, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und diese im Alltag anzuwenden. Kurz – es fehlt an Gesundheitskompetenz.
Einer repräsentativen Studie der Technischen Universität München (TUM) zufolge haben 75 % der Erwachsenen erhebliche Schwierigkeiten, Informationen zu Behandlungen oder präventiven Angeboten zu finden, zu verstehen und einzuordnen. Im Vergleich mit Vorgängerstudien zeigt sich dabei ein deutlicher Negativtrend. Lag der Anteil der Menschen mit unzureichender Gesundheitskompetenz im Jahr 2014 noch bei 54,3 %, so waren es zehn Jahre später 75,8 %. Insbesondere jüngere Menschen zeigen dabei Defizite in diesem Bereich.
Ein ähnliches Bild zeichnet die repräsentative Studie, die im Rahmen des dritten Health Literacy Survey Germany (HLS-GER3) veröffentlicht wurde. In der vom Bosch Health Campus geförderten Teilstudie wurden dazu 521 Personen ab 18 Jahren in Baden-Württemberg befragt.
Gesundheitskompetenz eine Frage sozialen Status?
Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (54,7 %) weist eine geringe Gesundheitskompetenz auf. Die Verteilung der Gesundheitskompetenz verdeutlicht zudem eine soziale Ungleichheit. Insbesondere Menschen mit einem niedrigen Bildungsstand, geringem Einkommen, chronischen Erkrankungen sowie ältere Personen verfügen über geringe gesundheitsrelevante Kompetenzen.
Neben Problemen Informationen z. B. zu medizinischen Behandlungen richtig einschätzen zu können, ist für die deutliche Mehrheit der Befragten (63 %) eine adäquate Nutzung von digitalen Gesundheitsinformationen herausfordernd. Zudem sehen sich 72 % der Erwachsenen nicht in der Lage, digitale Quellen auf ihre Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen.
Kommentar:
Eine geringe Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung ist nicht nur das persönliche „Problem“ des Einzelnen, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Wieso? Menschen mit wenig ausgeprägten Gesundheitskompetenzen leben nicht nur ungesünder, sind häufiger und länger erkrankt, sondern werden auch regelmäßiger stationär versorgt. Das verursacht nicht nur Kosten für die Wirtschaft, sondern belastet auch das Gesundheitssystem. Nach Schätzungen der WHO belaufen sich die Folgekosten aufgrund geringer Gesundheitskompetenz auf 3 bis 5 % der Gesamtausgaben des Gesundheitswesens. Das wären für 2023 bis zu 24 Mrd. €. Geld, das innerhalb des Gesundheitssystems anderweitig verteilt werden könnte. Insgesamt muss die Effizienz des Systems dringend verbessert werden, um die Finanzierung langfristig sicherzustellen. Schon jetzt sind Kranken- und Pflegekassen finanziell stark belastet, und Versicherte sehen sich mit steigenden Eigenanteilen in der Pflege sowie höheren Beiträgen konfrontiert.
Quellen: