Im Januar 2026 haben bereits 44 der bestehenden 93 gesetzlichen Krankenkassen – und damit 47 % – ihren individuellen Zusatzbeitrag erhöht. Dies geht aus einer Übersicht des Vergleichsportals CHECK24 hervor (Stand 12.1.2026). Darunter fallen auch drei der mitgliederstärksten Krankenkassen wie die beiden bundesweit geöffneten Kassen TK (über 12 Mio. Versicherte) und DAK-Gesundheit (mehr als 5,4 Mio. Versicherte) oder die AOK Baden-Württemberg (mehr als 4,6 Mio. Versicherte). Lediglich bei zwei Krankenkassen (Knappschaft und BKK Karl Mayer) kam es zu einer Absenkung des Zusatzbeitrags. Bei allen anderen Kassen blieben die Beiträge konstant. Mit nur 2,18 % liegt der Zusatzbeitrag bei der bundesweit offenen BKK firmus gegenwärtig im Krankenkassenvergleich am niedrigsten, während die Mitglieder der ebenfalls bundesweit offenen BKK24 4,39 % und damit den höchsten Zusatzbeitrag zu leisten haben.
Sonderkündigungsrecht bei Zusatzbeitragserhöhung
Der individuelle Zusatzbeitrag wird auf den bundesweit für alle gesetzlichen Krankenkassen geltenden fixen Beitragssatz von 14,6 % aufgeschlagen, wodurch sich somit aktuell je nach Kasse ein Gesamtbeitragssatz zwischen 16,78 % und 18,99 % ergibt. Der Gesamtbeitrag wird vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte getragen. Versicherte, die von einer Zusatzbeitragserhöhung betroffen sind, werden von ihrer Kasse schriftlich benachrichtigt und haben ein Sonderkündigungsrecht.
Kommentar:
Mit dem im Dezember 2025 nach intensiven Verhandlungen im Vermittlungsausschuss verabschiedeten GKV-Sparpaket – gegen das sich zuvor die Bundesländer ausgesprochen hatten – verfolgte Bundesgesundheitsministerin Warken das Ziel, ihr Versprechen einzulösen, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2026 auf maximal 2,9 % zu begrenzen. Die aktuellen Reaktionen der Krankenkassen deuten jedoch darauf hin, dass dieses Ziel nicht erreichbar sein wird. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag oberhalb der 3-Prozent-Marke. Ferner sind unterjährige Beitragserhöhungen weiterer Kassen im Verlauf des Jahres 2026 nicht ausgeschlossen.
Reformdruck steigt
Angesichts der auch 2026 weiter steigenden Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen nimmt der Druck auf das Bundesgesundheitsministerium spürbar zu. Dies betrifft nicht nur die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) selbst, sondern hat vor dem Hintergrund der schwachen konjunkturellen Lage auch arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitische Relevanz. Steigende Beitragssätze wirken sich unmittelbar auf die Lohnnebenkosten aus und belasten damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Zwar wurden Reformen bereits 2025 angekündigt, bislang liegen jedoch keine konkreten Pläne vor. Impulse werden von der Expertenkommission erwartet, deren Vorschläge bis März vorliegen sollen.
Quelle: CHECK 24 – Die Zusatzbeiträge aller Krankenkasse 2026