Dass die Praxisübergabe zunehmend schwerer wird, scheint allgemein Konsens zu sein. Doch wie sieht es wirklich aus? Dazu hat das Zi im Rahmen seiner Erhebungswelle 2023 genauer gefragt. Diese fand im Zeitraum von März bis Juni 2024 statt.
Insgesamt haben 4.153 Praxen Angaben zu dem Schwerpunktthema gemacht. In der Hauptuntersuchungsgruppe waren schließlich 1.202 Befragte, die sich zum Erhebungszeitpunkt mit dem Thema beschäftigten. Davon waren 69,7% über 60 Jahre alt.
Gefragt wurde nach:
- Gründen der Abgabe
- Problemen während und nach der Übergabe
- häufig genutzten Übergabepraktiken
- Unterstützung der zuständigen KV
Der Ruhestand ist der häufigste Grund, die Praxis zu übergeben
Als Grund zur Abgabe nannten:
- 70,8% Ruhestand
- 16,5% Anstellung oder anderer Standort
- 9,8% Rückzug aus der vertragsärztlichen Tätigkeit
- 2,9% Berufswechsel, d.h. keine ärztliche Tätigkeit mehr
Hausärzte nutzen öfter die Praxisbörse der zuständigen KV
Während des Erhebungszeitraums waren 428 Befragte auf der akuten Nachfolgersuche. Dabei nutzen 55,1% Kontakte und Empfehlungen aus persönlichen Netzwerken, beispielsweise auch Berufsverband. Die Praxisbörse der KV wurde von 42,8% der Befragten genutzt, wobei die Hausärzte mit 50,6% die KV-Börse häufiger in Anspruch nahmen. Die Ausschreibung des Zulassungsausschusses spielte mit 15,9% kaum eine Rolle bei der Nachfolgersuche.
Gefunden wurden die meisten Praxisübernehmenden mit 46,1% über das persönliche Netzwerk und lediglich 7,9% über die Praxisbörse der KV.
Die Suche dauert bei den Hausärzten mehr als zwei Jahre
Die Suche dauerte insgesamt sehr lange, wobei deutliche Unterschiede zwischen Hausärzten und den fachärztlichen Gebieten festzustellen waren. Bei den Hausärzten dauerte die Suche 24,2 Monate, bei den Fachärzten 17,1 Monate und bei der Psychotherapie bzw. Psychosomatik nur 6,6 Monate.
Besonders lange, nämlich 27,1 Monate, dauerte die Suche, wenn der Planungsbereich offen war, was in vielen hausärztlichen Mittelbereichen der Fall ist. Im geschlossenen Planungsbereich waren es 15 Monate.
Auch die Praxisform macht einen Unterschied. Bei der klassischen Einzelpraxis dauert es rund 15 Monate, bei einer BAG 22,4 Monate, bis ein Interessent gefunden ist.
Insgesamt wird die Nachfolgersuche von 88,3% als aufwendig bzw. sehr aufwendig (64,2%) empfunden.
Mehr als die Hälfte der Hausärzte erhält den gewünschten Verkaufserlös
Bei den Hausärzten entsprach bei 56,5% der Befragten der Verkaufserlös den Erwartungen, deutlich weniger als bei den Fachärzten (62,1%) und den Psychotherapeuten (78,0%). Für 21% der Hausärzte gab es sogar weniger Geld als erhofft.
Dennoch konnte die Altersvorsorge bei 86,7% derer, die einen zufriedenstellenden Verkaufserlös erzielten, damit nicht komplett abgesichert werden.
In der hausärztlichen Versorgung wurde die Praxis in
- 36,6% an einen angestellten Arzt der eigenen Praxis,
- 27,7% an andere Inhaber der eigenen Praxis,
- 13,4% an einen Arzt aus einer Klinik,
- 9,9% an ein MVZ,
- 8,2% an einen Inhaber einer anderen Praxis und in
- 5% an einen angestellten Arzt einer anderen Praxis
abgegeben.
Hohe Zufriedenheit mit der Beratung durch die KV
Die meisten (70,9%) derjenigen, die sich während der Erhebungsphase mit der Praxisübergabe beschäftigten, haben die Beratungsangebote der zuständigen KV in Anspruch genommen. Etwa die Hälfte der Abgebenden suchte die Unterstützung von gewerblichen Dienstleistern. Hinsichtlich der Zufriedenheit gab es zwischen der KV (69,2%) und den gewerblichen Dienstleistern (71,0%) keine nennenswerten Unterschiede.
Von der KV wünschten sich die Befragten mehr Individualität bei der Beratung und einen festen Ansprechpartner.
Kommentar:
Die Praxisabgabe sollte fünf Jahre vor dem gewünschten Termin in Angriff genommen werden. Das ist von Praxisberatungen immer wieder zu hören. Vielen Ärztinnen und Ärzten erschien dieser Zeitraum als zu lange. Nun bestätigt diese Befragung die lange Vorlaufzeit bis zu einer Praxisübergabe. Vor dem eigentlichen Prozess der Nachfolgersuche sind erst einmal viele Überlegungen über Zeitpunkt und Art der Übergabe anzustellen. Auch das Zusammentragen der notwendigen Unterlagen und Findung des gewünschten Kaufpreises brauchen Zeit.
Dass die anschließende Suche insbesondere bei Hausärzten in offenen Planungsbereichen so lange dauert, untermauert den Nachwuchsmangel in der Niederlassung sehr eindrücklich.
Nicht bekannt ist in diesem Zusammenhang, ob es mehr Neugründungen statt Praxisübernahmen gibt.
Erfreulich ist, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen mit ihrer Beratung den Abgabeprozess stark und zur Zufriedenheit ihrer Mitglieder unterstützen.
Andererseits bedarf es großer Anstrengungen seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen, mehr und schneller Ärzte in die Niederlassung zu lotsen, um die Versorgung sicherzustellen.