Hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg bleibt auch 2025 ein Erfolg

Hausarztzentrierte Versorgung in Baden-Württemberg bleibt auch 2025 ein Erfolg

Die populations- und patientenorientierte Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg ist der sektoren- und angebotsgesteuerten Regelversorgung auch 17 Jahre nach ihrer Einführung überlegen. Das zeigt die aktuelle „Evaluation der HZV – Ausgabe 2025“, die kontinuierlich vom Universitätsklinikum Heidelberg und der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt wird.

Seit Beginn steht die HZV für eine patientenorientierte, koordinierte und nachhaltige medizinische Versorgung. Als in § 73b SGB V verankertes Primärarztsystem stärkt sie die Rolle der Hausärzte als zentrale Lotsen im Versorgungsgeschehen und wirkt Über-, Unter- und Fehlversorgung gezielt entgegen.

Erfolgreiche Weiterentwicklung durch sektorenübergreifende Versorgung

Den bundesweit ersten HZV-Vertrag schloss 2008 die AOK Baden-Württemberg gemeinsam mit ihren Vertragspartnern (Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg e. V., Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg e. V., Hausärztliche Vertragsgemeinschaft AG, MEDIVERBUND AG und seit 2014 die BVKJ-Service GmbH). Seither wird das Modell kontinuierlich wissenschaftlich evaluiert.

Mit dem seit 2010 aufgebauten FacharztProgramm nach § 140a SGB V wurde die HZV konsequent sektorenübergreifend weiterentwickelt. Heute umfasst das Programm 13 Fachrichtungen. Den Beginn machte die Kardiologie, gefolgt von Gastroenterologie (2011), Psychotherapie (2012), Neurologie & Psychiatrie (2013), Orthopädie & Chirurgie (2014), Urologie (2017), Diabetologie (2017), Rheumatologie (2018), Kinder- und Jugendpsychiatrie (2019), Nephrologie (2020) und zuletzt die Pneumologie (2021).

Hohe Teilnahme und messbare Qualitätsvorteile

Aktuell profitieren über zwei Millionen AOK-Versicherte in Baden-Württemberg (Q1/2025) von der HZV, mehr als eine Million nehmen zusätzlich am FacharztProgramm teil (Q4/2025). Rund 9.000 Ärzte sowie Psychotherapeuten sind an der Versorgung beteiligt. Studien zeigen auch: Die Kombination aus HZV und FacharztProgramm erzielt bessere Ergebnisse als die alleinige Teilnahme an der HZV.

Resilient auch in Krisenzeiten

Evaluationen belegen seit Jahren eine überlegene Versorgungsqualität bei gleichzeitig geringeren Kosten im Vergleich zur Regelversorgung. Besonders chronisch erkrankte und multimorbide Patienten profitieren. Auch während der COVID-19-Pandemie erwies sich die HZV als resilient: Versorgungskontinuität, enge Betreuung und koordinierte Facharztkontakte blieben erhalten, zudem wurden mehr Influenza-Impfungen durchgeführt.

Teamorientierte Versorgung steigert Qualität weiter

Ein zusätzlicher Qualitätsfaktor ist die stärkere Einbindung der Praxisteams. HZV-Praxen mit einer qualifizierten Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis (VERAH) erreichen nachweislich bessere Ergebnisse – unter anderem durch weniger unkoordinierte Facharztkontakte, weniger vermeidbare Krankenhausaufnahmen und geringere Arzneimittelkosten. Erstmals wird im AOK-Vertrag die Weiterqualifikation von Medizinischen Fachangestellten zur VERAH gezielt gefördert und vergütet.

 

Kommentar:

Die Hausarztzentrierte Versorgung zeigt damit eindrucksvoll: Ein leistungsfähiges Primärarztsystem ist nicht nur machbar, sondern längst Realität – was die bundesweite Teilnahme von mittlerweile rund zehn Millionen Menschen bemerkenswert belegt.

Seit über einem Jahrzehnt wachsen die HZV‑Strukturen im Südwesten Schritt für Schritt, ohne ihren Qualitätsvorsprung zu verlieren: Langjährige Teilnahme, mehr gesteuerte Hausarztkontakte und weniger unkoordinierte Facharztbesuche sowie stationäre Aufenthalte zeigen, dass die HZV nicht nur beliebter, sondern auch wirksamer geworden ist.

Allein in Baden-Württemberg nehmen inzwischen rund 3,3 Mio. Versicherte kassenübergreifend an der HZV teil. Gleichzeitig wächst der Rückhalt in der Ärzteschaft: Rund 5.900 HZV-Hausärzte im Land, viele mit Teilnahme an mehreren Verträgen, tragen dieses Primärarztsystem im Alltag. Damit wird deutlich: Die HZV hat sich von einem Selektivvertrag zu einem zentralen Baustein der ambulanten Versorgung entwickelt.

Quellen:

 

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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