Höhe der Eigenanteile für Heimbewohner variiert regional stark

Höhe der Eigenanteile für Heimbewohner variiert regional stark

Die Pflege in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Dazu zählen auch die seit Jahren wachsenden Eigenanteile in der stationären Pflege. Mittlerweile müssen Heimbewohner bundesweit durchschnittlich über 3.000 € monatlich selbst finanzieren. Dabei zeigen sich regional deutliche Unterschiede in der Höhe der Eigenanteile, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Insgesamt wurden dazu die Daten von 10.820 Pflegeheimen in Deutschland ausgewertet.

Was verbirgt sich hinter den Eigenanteilen?

Die Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen setzen sich aus drei Komponenten zusammen: dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE), den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten. Während der EEE und damit die pflegebedingten Kosten innerhalb einer Einrichtung für alle Bewohner einheitlich ist, lassen sich deutliche einrichtungs- und regionsspezifische Unterschiede feststellen.

Wo sind die Eigenanteile am höchsten?

Der IW-Studie zufolge müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen bundesweit die höchsten Eigenanteile mit durchschnittlich rund 3.314 € monatlich tragen. Im Gegensatz dazu liegt der Selbstfinanzierungsanteil in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt bei 2.456 € und damit auf dem niedrigsten Niveau im Bundesvergleich. Insgesamt offenbart die Auswertung ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Während ländliche Regionen tendenziell niedrigere Eigenanteile verzeichnen, sind Pflegebedürftige in urbanen Räumen von überdurchschnittlich hohen Kosten für den Heimaufenthalt belastet. Dies unterstreicht auch die Betrachtung der Kreise und kreisfreien Städte. Spitzenreiter bei den Eigenanteilen ist Coburg (Bayern) mit monatlich 4.079 €. Die geringste finanzielle Belastung weist hingegen Wilhelmshaven (Niedersachsen) auf: Dort müssen Pflegebedürftige im Durchschnitt 2.288 € pro Monat selbst tragen.

 

Kommentar:

Hohe Eigenanteile belasten nicht nur die Pflegebedürftigen selbst, sondern wirken sich zunehmend auch auf die kommunalen Haushalte aus. Der Grund: Können Betroffene die Kosten nicht mehr aus eigenen Mitteln aufbringen, haben sie Anspruch auf „Hilfe zur Pflege“ – und damit steigen die Sozialausgaben der Kommunen. Politische Reformen sind daher dringend erforderlich, um die Finanzierung der Pflege langfristig zu stabilisieren. Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung Mitte dieses Jahres eine Kommission zur Reform der Pflege eingesetzt, die konkrete Lösungsansätze erarbeiten soll. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie schnell die notwendigen Reformen umgesetzt und für Entlastung bei den Pflegebedürftigen sorgen werden.

Quelle: Insitut der deutschen Wirtschaft – Eigenbeteiligung in der vollstationären Pflege

Stefanie Gorr
Autor Stefanie Gorr
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