Hoffnung gegen Resistenzen: neues Antibiotikum entdeckt

Hoffnung gegen Resistenzen: neues Antibiotikum entdeckt

Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Hamburg, der McMaster University in Ontario (Kanada) und der University of Illinois in Chicago (USA) hat in einem bereits bekannten Bodenbakterium einen neuen Wirkstoff gegen multiresistente Keime entdeckt. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Universität Hamburg hervor, die auf eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature verweist. Das untersuchte Bakterium Streptomyces rimosus aus der Gruppe der Strahlenpilze liefert bereits das Antibiotikum Oxytetracyclin, das unter anderem zur Behandlung von Augeninfektionen eingesetzt wird. Das neu entdeckte Manikomycin zeigte in ersten präklinischen Untersuchungen nicht nur die Fähigkeit, multiresistente Bakterien abzutöten, sondern zeigte auch keine Anfälligkeit gegenüber den bei klinisch eingesetzten Antibiotika vorkommenden Resistenzmechanismen. Darüber hinaus erwies sich die Verträglichkeit des Wirkstoffs in Untersuchungen an Mäusen als akzeptabel.

Verbesserungsbedarf bei den pharmakologischen Eigenschaften

Nach Einschätzung der Forschenden könnte Manikomycin einen vielversprechenden Ansatz für die Bekämpfung resistenter Krankheitserreger darstellen. Weiterer Forschungsbedarf besteht jedoch hinsichtlich des beobachteten schnellen Abbaus des Wirkstoffs im Blutplasma, der in den Infektionsmodellen zu einer unzureichenden Wirksamkeit führte. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Plasmaexposition des Wirkstoffs jedoch durch weitere Forschungsarbeiten verbessert werden.

 

Kommentar:

Antibiotikaresistenzen entwickeln sich zunehmend zu einem globalen Gesundheitsproblem. Um die Behandlung bakterieller Infektionen auch künftig sicherzustellen, ist die Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika von entscheidender Bedeutung. Als wichtigste Quelle für neue Wirkstoffe gelten bislang antimikrobielle Substanzen, die von Pilzen und Bakterien produziert werden. Die aktuelle Entdeckung von Manikomycin zeigt jedoch, dass auch bereits intensiv erforschte Mikroorganismen noch Potenzial für die Identifizierung neuer Antibiotika bieten könnten.

WHO warnt bereits seit Jahren vor zunehmenden Resistenzen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überwacht die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen seit mehr als zehn Jahren im Rahmen des Global Antimicrobial Resistance and Use Surveillance System (GLASS). Laut WHO waren im Jahr 2021 weltweit mehr als eine Million Todesfälle direkt auf antimikrobielle Resistenzen zurückzuführen. Die jüngsten GLASS-Daten aus dem Jahr 2023, die Informationen aus mehr als 100 Ländern umfassen, zeigen, dass etwa jede sechste laborbestätigte bakterielle Infektion resistent gegen Antibiotika war. Besonders problematisch ist, dass sich Resistenzen durch genetische Veränderungen von Bakterien deutlich schneller entwickeln als neue Antibiotika auf den Markt gebracht werden können. Die Folgen betreffen insbesondere vulnerable Patientengruppen, etwa Menschen nach größeren Operationen, Organtransplantationen oder Krebsbehandlungen. Die WHO weist zudem auf erhebliche regionale Unterschiede hin. Die höchsten Resistenzraten wurden in Südostasien und im östlichen Mittelmeerraum beobachtet, wo nahezu jede dritte bakterielle Infektion antibiotikaresistent war. Es folgte die afrikanische Region mit etwa einer resistenten Infektion auf fünf Fälle. In Europa lag die Rate mit etwa einer resistenten Infektion auf zehn Fälle deutlich niedriger.

Problem: mangelnde wirtschaftliche Attraktivität

Vor diesem Hintergrund fordert die WHO nicht nur verstärkte Investitionen in die Erforschung neuer antimikrobieller Wirkstoffe. Ebenso wichtig seien der Ausbau diagnostischer Kapazitäten zur Erkennung von Resistenzen sowie leistungsfähiger Überwachungs- und Meldesysteme, insbesondere in Ländern mit begrenzten Ressourcen. Dass sich vergleichsweise wenige neue Antibiotika in der pharmazeutischen Entwicklung befinden, hat auch ökonomische Ursachen. Viele große Pharmaunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren weitgehend aus der Antibiotikaforschung zurückgezogen, da diese im Vergleich zu anderen Therapiegebieten als wenig profitabel gilt.

Quellen:

 

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