„Hoffnungslose“ Zähne retten lohnt sich langfristig – medizinisch und finanziell

„Hoffnungslose“ Zähne retten lohnt sich langfristig - medizinisch und finanziell

Studie vergleicht Zahnerhalt und Zahnersatz bei Parodontitispatienten über 20 Jahre

Auf dem internationalen Parodontologie-Kongress EuroPerio11 in Wien, dem weltweit führenden Kongress für Zahnfleischgesundheit und Implantologie, veranstaltet von der European Federation of Periodontology (EFP), wurde eine bahnbrechende Langzeitstudie vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen: Zahnerhalt ist auf lange Sicht ebenso erfolgreich, wenn nicht sogar vorteilhafter als deren Ersatz durch Implantate oder Brücken.

Bei einer schweren Zahnfleischentzündung (Parodontitis) kann das den Zahn stützende Gewebe einschließlich des Knochens bis zur Wurzelspitze (Apex) zerstört werden – der Zahn verliert folglich seinen Halt. Traditionell gelten solche Zähne als „hoffnungslos“ und werden in der Regel gezogen. Bei der Parodontalregeneration (PR) werden jedoch chirurgische Techniken und Materialien eingesetzt, um den verlorenen Knochen und das verlorene Gewebe wieder aufzubauen und so den Zahn möglicherweise zu retten.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren wurden im Rahmen der Studie 50 Patienten mit schwerer Parodontitis beobachtet. Dabei wurde verglichen, ob der Versuch des Erhalts des natürlichen Zahns ähnlich erfolgreich ist wie eine Extraktion mit anschließender Versorgung.

Beide Methoden ähnlich erfolgreich, Zahnerhalt jedoch deutlich kostengünstiger

Nach 20 Jahren zeigten sich beide Behandlungsoptionen als zielführend – beide Patientengruppen zeigten ähnliche Ergebnisse in Bezug auf Komplikationen und Behandlungserfolg:

  • Bei der Patientengruppe mit der Zielsetzung „Zahnerhalt“ gingen nur vier Zähne verloren, in der Vergleichsgruppe (Extraktion + Zahnersatz) zwei Implantate. Diejenigen Patienten, die ihre Zähne behielten, zeigten auch zwei Jahrzehnte nach der Behandlung eine stabile Zahnfleischgesundheit und einen intakten Zahnhalteapparat.
  • Was die Kosten anbelangt, so erwies sich die Erhaltung des natürlichen Zahns auf lange Sicht als deutlich kostengünstiger, selbst unter Berücksichtigung der laufenden Pflege und Wartung.

Studienleiter Collini: „Wenn wir den Zahn retten können, können wir die Extraktion um viele Jahre hinauszögern. Das ist ein Gewinn für die Patienten und die zahnmedizinischen Versorgungssysteme.“

 

Kommentar:

Jahrzehntelang galt: Stark betroffener Zahn = raus damit! Doch der neue Goldstandard könnte lauten: Erst versuchen, den natürlichen Zahn zu retten – Zahnersatz nur dann, wenn der Erhalt des Zahns nicht möglich ist. Letztlich kann zwar nicht jeder Zahn erhalten werden, doch bei guten Voraussetzungen (gute Gesundheit, hohe Mundhygiene, Nichtraucher) bietet diese Methode eine langfristig stabile, kosteneffiziente und patientenfreundliche Lösung.

Quelle: European Federation of Periodontology – Study shows long-term benefits of saving ‚hopeless‘ teeth

Verena Heinzmann
Autor Verena Heinzmann
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