Immer mehr Zahnärzte arbeiten angestellt – Umfrage zeigt, was sie bewegt

Immer mehr Zahnärzte arbeiten angestellt - Umfrage zeigt, was sie bewegt

Allein in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der baden-württembergischen Zahnärzte, die im Angestelltenverhältnis arbeiten, um 58% gestiegen – aktuell sind es mehr als 1.908. Insbesondere Zahnärztinnen entscheiden sich für eine angestellte Tätigkeit: ihr Anteil unter den angestellt tätigen Zahnmedizinern beträgt aktuell 63%.

Betrachtet man die Altersstruktur, so zeigt sich, dass vor allem junge Zahnärzte eine angestellte Tätigkeit bevorzugen. Aber auch vor dem Eintritt in den Ruhestand steigt die Zahl derer, die von der Niederlassung in eine angestellte (oft Teilzeit-)Tätigkeit wechseln.

Eine im April 2019 im Auftrag der KZV Baden-Württemberg durchgeführte Forsa-Umfrage liefert nun erstmals empirische Daten über den Praxisalltag und die beruflichen Ziele von angestellten Zahnmedizinern.

Ergebnisse der Umfrage:

Dauer der Anstellung:

  • Im Durchschnitt waren die Befragten sieben Jahre angestellt tätig. In dieser Zeit arbeiteten sie im Schnitt in 2,9 Praxen – 29% waren nur in einer Praxis tätig, über die Hälfte waren schon in drei oder mehr Praxen beschäftigt.

Wöchentliche Arbeitszeit:

  • Angestellte Zahnmediziner arbeiten im Schnitt 29 Wochenstunden (Frauen: 27,9; Männer: 31,1) und damit deutlich weniger als niedergelassene (Ø > 44).
  • Wer Kinder unter 14 Jahren hat, arbeitet im Schnitt deutliche weniger Stunden pro Woche (Ø 26,6 Stunden) als angestellte Zahnmediziner ohne Kinder in diesem Alter (Ø 30,8 Stunden).
  • Verheiratete bzw. in einer festen Partnerschaft lebende Zahnmediziner arbeiten ebenfalls deutlich weniger (Ø 26,5 Stunden) als solche ohne festen Partner (Ø 33,6 Stunden).

Gründe für die angestellte Tätigkeit:

  • Die angegebenen Gründe sind vielschichtig: sowohl das Privatleben (62%) als auch persönliche Interessen (51 %) spielen eine Rolle.
  • Bei den befragten Frauen nannten 79% die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, 63% das Arbeiten im Team und 57‘% mehr Zeit für persönliche Interessen.
  • Von Männern meistgenannte Gründe: „Arbeiten im Team“ (45%), „mehr Zeit für persönliche Interessen“ (41%) und „ausschließliche Konzentration auf behandelnde Tätigkeit“ (38%).

Zufriedenheit mit der angestellten Tätigkeit, bezogen auf einzelne Aspekte der Tätigkeit:

  • 90% der angestellten Zahnmediziner sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer individuellen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Ebenfalls 90% sind zufrieden oder sehr zufrieden hinsichtlich der Gestaltung der Arbeitszeit, wobei die Zufriedenheit bei Befragten mit Kindern bzw. Befragten mit festem Partner sogar noch höher liegt.
  • Auch beim Gehalt ergibt sich eine hohe Zufriedenheit: Bei den Männern sind 88% zufrieden oder sehr zufrieden, bei den Frauen 83% – unabhängig davon, ob der Arbeitsort im ländlichen oder städtischen Raum liegt.
  • Mit der Erfüllung ihrer Wünsche hinsichtlich der Arbeit im Team sind sogar 91% zufrieden oder sehr zufrieden.

Was spricht gegen die Möglichkeit der Niederlassung als selbständiger Zahnarzt im ländlichen Raum:

  • Für 44% spricht nichts gegen eine Niederlassung im ländlichen Raum
  • 11% der Befragten äußerten Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Jeweils 10% befürchteten eine ungünstige Verkehrsanbindung, hatten Bedenken aufgrund der Verbundenheit mit dem Wohnort, befürchteten fehlende kulturelle Angebote und Freizeitmöglichkeiten oder Patientenmangel.
  • 9% der Befragten äußerten Bedenken hinsichtlich des finanziellen Risikos.
  • Nur 4% der Befragten nannten „Fachkräftemangel im ländlichen Raum“.
  • Von denjenigen, die bereits im ländlichen Raum angestellt tätig sind, halten nur 7% die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für schwierig.

Zukunftspläne: Anstellung für das gesamte Berufsleben oder spätere selbstständige Tätigkeit?

  • Nur 38% wollen für ihr gesamtes Berufsleben angestellt tätig sein, mehr als die Hälfte (54%) plant, sich später in freiberuflicher Praxis niederzulassen (bei den unter 35-Jährigen sogar 76%).
  • Von denjenigen, die sie selbständig machen wollen, planen nur 31% eine Einzelpraxis gründen (Frauen: 27%, Männer: 39%), 64% (Frauen: 68%, Männer: 55%) präferieren eine selbständige Tätigkeit in einer Berufsausübungsgemeinschaft.
  • Als Hauptgrund für die Niederlassung wird der größere Handlungsspielraum in der eigenen Praxis genannt (79%), gefolgt von besseren Verdienstmöglichkeiten (50%).
  • Gegen eine Niederlassung als selbstständiger Zahnarzt sprechen für 49% das finanzielle Risiko und 38% fürchten bürokratische Auflagen. 22% der Befragten (Frauen: 30%, Männer: 5%) sehen bei einer selbständigen Tätigkeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Problem.

Quelle: KZV Baden-Württemberg – Versorgungsbericht 2019

 

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