Der Landkreis Rottweil hat die akute Unterversorgung im Bereich der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO-Heilkunde) innerhalb eines Jahres beendet. Das Versorgungsdefizit hatte seit 2025 bestanden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) konnte die ambulante HNO-Versorgung durch ein koordiniertes Maßnahmenpaket wieder stabilisiert werden. Auslöser der Versorgungslücke war das nahezu zeitgleiche Ausscheiden von drei HNO-Ärzten im vergangenen Jahr. Die KVBW leitete nach eigenen Angaben unmittelbar nach Bekanntwerden der Praxisschließungen Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung ein.
Rottweil bildete landesweit das Schlusslicht
Wie der Atlas Medicus Marktatlas zeigt, bildete der Landkreis Rottweil mit einem HNO-Versorgungsgrad von 48,6 % das Schlusslicht unter den baden-württembergischen Planungsbereichen (siehe Abb., Stand: 2/2026). Die nächstschwächsten Regionen – Waldshut (58,5 %), der Neckar-Odenwald-Kreis (61,7 %) und der Ostalbkreis (64,1 %) – lagen mit einigem Abstand darüber. Den höchsten Versorgungsgrad wies dagegen der Landkreis Böblingen mit 155,6 % auf, gefolgt vom Rems-Murr-Kreis (144,7 %) und dem Rhein-Neckar-Kreis (142,1 %).
Abb. HNO-Versorgungsgrad in Baden-Württemberg zu Beginn des Jahres 2026

Quelle: ATLAS MEDICUS
Koordinierte Maßnahmen gegen den Versorgungsengpass
Im Mittelpunkt stand eine enge Begleitung durch die Sicherstellungskoordinatoren der KVBW. Gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten, Kliniken, der Kommunalpolitik und der Kreisärzteschaft wurden regionale Lösungsansätze entwickelt. Ziel war es, neue ambulante Versorgungsstrukturen möglichst schnell aufzubauen und die HNO-Versorgung langfristig zu sichern. Nach Einschätzung der KVBW zeigt das Beispiel Rottweil, dass eine frühzeitige Vernetzung aller regionalen Akteure dazu beitragen kann, Versorgungsengpässe innerhalb kurzer Zeit zu überwinden und neue ambulante Strukturen aufzubauen.
Neues HNO-MVZ als zentraler Baustein
Ein wesentlicher Bestandteil der Neuaufstellung in Rottweil ist die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit HNO-Schwerpunkt. Das MVZ nahm zum 1.7.2026 den Betrieb auf. Es wurde von zwei ortsansässigen, niedergelassenen Ärzten gegründet und beschäftigt drei angestellte HNO-Fachärzte, die zuvor als Oberärzte in einer Klinik tätig waren. Nach Angaben der KVBW entstand die Initiative im Rahmen eines regionalen Austauschformats zur ambulanten Versorgung. Ziel war es unter anderem, Anstellungsmöglichkeiten für junge Ärzte zu fördern. Die Gründung des MVZ wurde neben der Sicherstellungskoordination durch die Niederlassungs- und Kooperationsberatung der KVBW begleitet.
Weitere Schritte geplant
Mit dem neuen MVZ gilt die HNO-Versorgung im Landkreis wieder als gesichert. Perspektivisch ist zudem die Gründung eines hausärztlichen MVZ vorgesehen, um die ambulante Versorgung in der Region weiter auszubauen.
KVBW kritisiert geplante Gesetzesänderung
Trotz der positiven Entwicklung in Rottweil sieht die KVBW die ambulante Versorgung insgesamt vor großen Herausforderungen. Anlass ist der Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Nach Einschätzung der Körperschaft würde die vorgesehene einnahmenorientierte Ausgabenpolitik der gesetzlichen Krankenkassen zu erheblichen Honorareinbußen führen. Für die HNO-Heilkunde rechnet die KVBW im kommenden Jahr mit Umsatzrückgängen von rund elf Prozent. Dadurch könnten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Praxen und MVZ verschlechtern und die Sicherstellung der ambulanten Versorgung künftig erneut erschweren.
Kommentar:
Das Beispiel Rottweil zeigt, dass regionale Sicherstellungsmaßnahmen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kassenärztlicher Vereinigung, Kommunen und Leistungserbringern dazu beitragen können, Versorgungsengpässe innerhalb kurzer Zeit zu beheben. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall die zunehmende Bedeutung von Medizinischen Versorgungszentren als Organisationsform für die ambulante Versorgung. Die von der KVBW geäußerte Kritik am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz macht jedoch deutlich, dass erfolgreiche regionale Versorgungsmodelle langfristig auf stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.
Quelle: KVBW – Landkreis Rottweil: Versorgung im HNO-Bereich wieder stabil