Lungenkrebs-Screening für starke (Ex-)Raucher startet

Lungenkrebs-Screening für starke (Ex-)Raucher startet

Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits im Sommer 2025 einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte (vgl. News vom 2.7.2025), fiel nun der Startschuss für das neue Lungenkrebs-Screening: Gesetzlich Krankenversicherte der Altersgruppe 50 bis 75 Jahre mit starkem Zigarettenkonsum haben seit 1. April Anspruch auf die Früherkennungsleistung. Im Fokus stehen Raucher und ehemalige Raucher (mit Rauchstopp innerhalb der letzten 10 Jahre), die mindestens 25 Jahre lang mit einer Intensität von rechnerisch mindestens 15 Packungsjahren (1 Packungsjahr = 20 Zigaretten pro Tag an 365 Tagen) geraucht haben.

Beteiligte Radiologen und Hausärzte müssen Qualifikation nachweisen

Da Lungenkrebs im Frühstadium häufig ohne Beschwerden verläuft, soll die neue Screening-Leistung eine frühere Diagnose ermöglichen und die Behandlungschancen verbessern. Die Methode erfolgt per Niedrigdosis-CT der Lunge. Um die Gefahr falsch-positiver Befunde zu reduzieren, darf die Leistung nur von Radiologen mit besonderer Qualifikation erbracht werden. Unabhängig davon, ob Radiologen als Erst- oder Zweitbefunder tätig werden, ist die Teilnahme an einer speziellen Fortbildung und eine Genehmigung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) erforderlich. Auch Hausärzte spielen eine zentrale Rolle im Screening-Programm: Sie prüfen die Teilnahmevoraussetzungen, klären die Patienten auf, stellen die Überweisung aus und beraten ergänzend zu Maßnahmen der Tabakentwöhnung. Eine gesonderte Genehmigung ist hierfür nicht erforderlich, jedoch müssen entsprechende Kenntnisse im Bereich der Lungenkrebsfrüherkennung im Rahmen von Weiter- oder Fortbildungen nachgewiesen werden.

Detaillierte Informationen zu Ablauf, Voraussetzungen und Vergütung stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bereit: https://www.kbv.de/documents/infothek/publikationen/praxisinfo/praxisinfospezial-lungenkrebs-frueherkennung.pdf

 

Kommentar:

Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) erkranken in Deutschland jährlich rund 56.500 bis 58.300 Menschen an Lungenkrebs. Rauchen – sowohl aktiv als auch passiv – gilt dabei mit großem Abstand als wichtigster Risikofaktor. Zudem erhöht Tabakkonsum nicht nur das Risiko für Lungenkrebs, sondern auch für eine Vielzahl weiterer Krebsarten, etwa im Bereich von Mundhöhle, Kehlkopf, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Niere, Harnblase, Gebärmutter, Brust, Knochenmark und Darm. Nach Schätzungen der Deutschen Krebsgesellschaft lässt sich etwa ein Drittel aller Krebserkrankungen direkt auf Tabakkonsum zurückführen. Bei Organen mit direktem Rauchkontakt – wie Mund, Kehlkopf oder Lunge – liegt der Anteil sogar bei bis zu 90 %. Raucher sterben nicht nur deutlich häufiger an Krebs, sondern auch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfällen.

Maßnahmen im Bereich der Primärprävention gefordert

Im Rahmen einer stärkeren präventiven Ausrichtung des deutschen Gesundheitssystems rückt neben der Früherkennung zunehmend auch die Bekämpfung zentraler Risikofaktoren in den Fokus. Insbesondere im Bereich der Tabakkontrolle werden aktuell verschiedene Maßnahmen intensiv diskutiert. Dazu zählen eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer – auch auf E-Zigaretten –, strengere Werbebeschränkungen (vor dem Hintergrund, dass Deutschland hier im EU-Vergleich bislang relativ liberal ist), die Einführung einheitlicher Verpackungen („Plain Packaging“) sowie die Ausweitung rauchfreier Zonen im öffentlichen Raum. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Raucherquote langfristig zu senken und damit die Entstehung tabakassoziierter Erkrankungen wie Lungenkrebs bereits im Vorfeld zu verhindern.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung – Lungenkrebs-Screening

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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