Mammografie-Screening in Europa: Sinkende Mortalität, aber mehr Überdiagnosen

Mammografie-Screening in Europa: Sinkende Mortalität, aber mehr Überdiagnosen

Organisierte Mammografie-Screeningprogramme tragen zu einem Rückgang der Brustkrebssterblichkeit bei. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang umfassendste europäische Auswertung unter Federführung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), die in The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht wurde. Grundlage der Analyse waren Krebsregisterdaten von mehr als 3,4 Mio. Frauen mit invasivem Brustkrebs aus 21 europäischen Ländern im Zeitraum von 1978 bis 2019.

Früherkennung verhindert Todesfälle

Die Auswertung zeigt, dass organisierte Screeningprogramme die Zahl früh erkannter und damit besser behandelbarer Brustkrebserkrankungen deutlich erhöhen. Gleichzeitig nahm nach Einführung der Programme in vielen Ländern die Häufigkeit fortgeschrittener und metastasierter Tumoren – insbesondere im Stadium IV – ab. Da der Anstieg der diagnostizierten frühen Tumoren (in-situ-Karzinome und Tumoren im Stadium I) jedoch größer ausfiel als der Rückgang fortgeschrittener Erkrankungen (insbesondere im Stadium IV), sehen die Autoren zugleich Hinweise auf eine Überdiagnostik.

Therapiefortschritte als wesentlicher Erfolgsfaktor

Trotz steigender Erkrankungsraten gingen die Brustkrebssterberaten in den meisten europäischen Ländern – insbesondere seit Ende der 1990er-Jahre – deutlich zurück. Dieser positive Trend zeigte sich – wenngleich in schwächerer Form – auch in Ländern ohne organisiertes Mammografie-Screening (etwa in Bulgarien oder der Ukraine). Nach Einschätzung der Autoren dürften die therapeutischen Fortschritte in den vergangenen beiden Jahrzehnten einen noch größeren Einfluss auf den Rückgang der Brustkrebssterblichkeit gehabt haben als das Screening.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Die Studie zeigt zugleich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern hinsichtlich Einführung, Organisation und Teilnahmequote der Screeningprogramme. Nach Ansicht der Autoren besteht daher weiterer Forschungsbedarf, um die Wirksamkeit der Programme europaweit zu verbessern. Langfristig könnten laut Ansicht der Forscher personalisierte, risikoadaptierte Screeningstrategien dazu beitragen, den Nutzen der Früherkennung zu erhöhen und gleichzeitig Überdiagnosen zu reduzieren.

 

Kommentar:

Die Ergebnisse der europäischen Langzeitanalyse liefern eine wichtige Grundlage für die aktuelle Diskussion über die Weiterentwicklung des Mammografie-Screenings in Deutschland. Geplant ist, die untere Altersgrenze des Programms von derzeit 50 auf 45 Jahre abzusenken (vgl. News vom 6.5.2026). Die Studie bestätigt, dass organisierte Screeningprogramme zu einer früheren Tumorerkennung beitragen, die Zahl fortgeschrittener Brustkrebserkrankungen verringern und – gemeinsam mit Fortschritten in Diagnostik und Therapie – die Brustkrebssterblichkeit senken können.

Personalisierte Früherkennungsprogramme

Gleichzeitig verdeutlichen die Daten, dass eine ausschließlich altersbezogene Ausweitung der Früherkennung auch mit einem erhöhten Risiko für Überdiagnosen verbunden sein kann. Die Herausforderung besteht daher darin, möglichst viele Frauen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko frühzeitig zu identifizieren, ohne gleichzeitig unnötige Untersuchungen und Behandlungen auszuweiten. Langfristig sollte die Brustkrebsfrüherkennung deshalb stärker individualisiert und das Mammografie-Screening – wie von den Autoren vorgeschlagen – konsequenter am persönlichen Risikoprofil ausgerichtet werden.

Quellen:

Autor Antonia Leonhard
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