Mehr Frauen in Bayerns Arztpraxen und Kliniken

Mehr Frauen in Bayerns Arztpraxen und Kliniken

In Bayern arbeiten inzwischen mehr Ärztinnen als Ärzte. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, sind nach aktuellen Zahlen der Bayerischen Landesärztekammer landesweit 37.848 Frauen und 37.078 Männer im ärztlichen Dienst tätig. Damit hat sich der Trend, der sich seit Jahren im Medizinstudium abzeichnet, nun auch im Berufsalltag durchgesetzt: In Kliniken wie in Praxen ist das Personal überwiegend weiblich.

Nachwuchs verstärkt den Trend, Führungspositionen bleiben männlich geprägt

Der Präsident der Landesärztekammer, Gerald Quitterer, rechnet damit, dass der Frauenanteil weiter steigt. An den Universitäten liegt er bereits bei über 60 %. Gleichzeitig sieht er deutlichen Handlungsbedarf bei der beruflichen Entwicklung von Ärztinnen. Obwohl Frauen in den Kliniken die Mehrheit stellen, sind leitende Positionen weiterhin überwiegend von Männern besetzt. Nur rund jede siebte Führungskraft ist weiblich.

Mangel an Ärzten trotz steigender Arztzahlen

Die Zahl der berufstätigen Medizinerinnen und Mediziner in Bayern ist im vergangenen Jahr um knapp 3 % gestiegen, im Zehnjahresvergleich sogar um fast ein Viertel. Dennoch reicht dieser Zuwachs laut Ärztekammer nicht aus. Gründe dafür sind der steigende Behandlungsbedarf einer alternden Bevölkerung sowie der wachsende Anteil angestellter und teilzeitbeschäftigter Ärztinnen und Ärzte. Besonders in Praxen hat sich der Anteil angestellter – und häufig nur in Teilzeit arbeitender – Mediziner seit 2015 nahezu verdoppelt.

Steigende Arbeitslosigkeit unter den Ärzten

Auffällig ist der deutliche Anstieg arbeitslos gemeldeter Ärztinnen und Ärzte: von rund 1.700 im Jahr 2015 auf aktuell knapp 3.000. Die Ärztekammer führt dies vor allem darauf zurück, dass angestellte Mediziner häufiger kurze Übergangsphasen zwischen zwei Stellen haben und sich in dieser Zeit arbeitslos melden. Zudem steigt die Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte, die oft längere Wartezeiten für Anerkennungsverfahren überbrücken müssen. Trotz dieser Entwicklung liegt die Arbeitslosenquote in der Ärzteschaft weiterhin bei nur etwa 2 % – die Bundesagentur für Arbeit spricht von Vollbeschäftigung.

 

Kommentar:

Die Medizin gehört zu den Berufsfeldern, in denen sich der gesellschaftliche Wandel besonders deutlich zeigt: Frauen prägen zunehmend die medizinische Versorgung, während traditionelle Strukturen vielerorts unverändert geblieben sind. Dass Führungspositionen weiterhin überwiegend männlich besetzt sind, zeigt, wie groß die Lücke zwischen beruflicher Präsenz und tatsächlicher Teilhabe noch ist. Gleichzeitig verschärfen Teilzeitmodelle und steigende Anforderungen den Druck auf das Gesundheitssystem. Mehr Personal allein wird das Problem nicht lösen – es braucht moderne Arbeitsmodelle, echte Karrierechancen für Frauen und ein System, das den veränderten Lebensrealitäten seiner Beschäftigten gerecht wird.

Quellen:

Karin Pfaff
Autor Karin Pfaff
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