Die Bevölkerung Baden-Württembergs und Hamburgs weist im Bundesvergleich die geringste Morbidität auf. Dies geht aus dem jüngst aktualisierten Morbiditäts- und Sozialatlas des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) hervor, der nun Daten für das Jahr 2024 ausweist. Demnach liegt die Krankheitslast in beiden Ländern jeweils um 13 % unter dem Bundesdurchschnitt (vgl. Abb.).
Ebenfalls unterdurchschnittliche Werte verzeichnen Bremen (-10 %), Bayern und Hessen (jeweils -7 %) sowie Schleswig-Holstein (-2 %). Nordrhein-Westfalen liegt exakt im Bundesdurchschnitt.
Abb. Morbiditätsabweichungen nach Bundesländern

Quelle: bifg 2026
Deutlich erhöhte Morbidität in Mitteldeutschland
Alle übrigen Bundesländer sowie Berlin weisen eine überdurchschnittliche Krankheitslast auf. Besonders ausgeprägt ist dies in Mitteldeutschland: In Sachsen-Anhalt übersteigt die Morbidität den Bundesdurchschnitt um 25 %, in Sachsen um 27 %. Den höchsten Wert verzeichnet Thüringen mit einer um 32 % erhöhten Morbidität. Damit fällt die Krankheitslast dort nahezu um ein Drittel höher aus als im Bundesmittel.
Kommentar:
Die Interpretation der ausgewiesenen Morbiditätsunterschiede zwischen den Bundesländern erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist die Altersstruktur der Bevölkerung. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für das gleichzeitige Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen (Multimorbidität) deutlich an. Bundesländer mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil älterer Menschen weisen daher tendenziell auch eine höhere Krankheitslast auf. Dies wird durch den Vergleich mit den Daten von Atlas Medicus gestützt, die einen positiven Zusammenhang zwischen der Krankheitslast und dem Bevölkerungsanteil der Altersgruppe ab 65 Jahren vermuten lassen (vgl. Abb. links).
Vergleich: bifg-Morbiditätsatlas und Atlas Medicus Marktatlas

Quelle: www.atlas-medicus.de; bifg
Demografische Faktoren leisten zwar einen wichtigen Erklärungsbeitrag, reichen jedoch nicht aus, um die regionalen Morbiditätsunterschiede vollständig zu erklären. Zahlreiche Studien zeigen, dass auch sozioökonomische Rahmenbedingungen, das Bildungsniveau, die Erwerbssituation, das Gesundheitsverhalten sowie die regionale Verfügbarkeit medizinischer und pflegerischer Versorgungsangebote die gesundheitliche Situation der Bevölkerung maßgeblich beeinflussen. Die Atlas Medicus Marktatlas-Auswertung zur Kaufkraft in Deutschland (vgl. Abb. rechts) verdeutlicht ebenfalls, dass gesundheitliche Ungleichheiten häufig eng mit sozialen und strukturellen Rahmenbedingungen verknüpft sein können.
Morbidität als komplexes Zusammenspiel von Einflussfaktoren
Eine isolierte Betrachtung der Einzeleffekte der vielfältigen Einflussfaktoren ist nicht möglich, da zwischen ihnen vielfältige Wechselwirkungen bestehen. So beeinflusst beispielsweise die Altersstruktur einer Region nicht nur die Morbidität, sondern wirkt sich zugleich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Kaufkraft aus. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch, dass Gesundheitspolitik neben einem bedarfsgerechten medizinischen Versorgungsangebot auch die sozialen Determinanten von Gesundheit berücksichtigen sollte. Maßnahmen zur Verbesserung von Bildungs- und Erwerbschancen, zur Stärkung der Einkommenssituation sowie zur Förderung von Prävention und Gesundheitskompetenz können langfristig einen wichtigen Beitrag zur Verringerung regionaler Gesundheitsunterschiede leisten.
Quellen: