Neues Konzept in Bayern macht Hausarztpraxen „HÄPPI“

Neues Konzept in Bayern macht Hausarztpraxen „HÄPPI“

Nach Abschluss der Pilotphase zeigen erste Zwischenergebnisse zur Einführung des Teampraxis-Konzepts HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell) auch in Bayern vielversprechende Effekte. Das ursprünglich aus Baden-Württemberg stammende Konzept wurde im Juli 2025 vom Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband (BHÄV) in neun hausärztlichen Praxen eingeführt. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) mit rund 650.000 €.

Evaluation bestätigt positive Entwicklung

Die wissenschaftliche Begleitforschung des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung (IAM) der Universität Augsburg kommt zu einem positiven Zwischenfazit. Die Evaluation zeigt:

  • Mehr Versorgungskapazität bei gleichbleibender Qualität: Die teilnehmenden Praxen konnten ihre Behandlungskapazitäten erweitern, ohne Abstriche bei der Versorgungsqualität oder der Patientenzufriedenheit.
  • Teambasierte Praxisorganisation als Erfolgsfaktor: Klare Rollenverteilungen und der Einsatz digitaler Anwendungen unterstützten die Zusammenarbeit im Praxisteam.
  • Praxistauglichkeit unabhängig von der Struktur: Das Konzept erwies sich unabhängig von Größe und Organisationsform der Praxis als umsetzbar und stieß auch bei den Patienten auf hohe Akzeptanz.

Kern des Versorgungskonzepts HÄPPI ist die stärkere Einbindung des gesamten Praxisteams. Unter hausärztlicher Leitung übernehmen entsprechend qualifizierte akademische und nichtakademische Fachkräfte zusätzliche Aufgaben in der Patientenversorgung. Dies entlastet nicht nur die Hausärzte und schafft zusätzliche Versorgungskapazitäten, sondern eröffnet den Mitarbeitenden zugleich neue Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Für eine nachhaltige Verstetigung des HÄPPI-Konzepts fordert der BHÄV gemeinsam mit den gesetzlichen Krankenkassen verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

 

Kommentar:

Die Zwischenergebnisse verdeutlichen, dass HÄPPI mehr ist als ein Delegationsmodell. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung der Hausarztpraxis zur interprofessionellen Teampraxis. Gerade die Kombination aus akademischen und nichtakademischen Fachkräften trägt dazu bei, personelle Ressourcen effizienter einzusetzen.

Für eine dauerhafte Etablierung wird jedoch der wirtschaftliche Rahmen entscheidend sein. Der Aufbau zusätzlicher Teamstrukturen verursacht zunächst Investitionen in Personal, Qualifizierung und Organisationsentwicklung. Soll das Konzept über einzelne Modellprojekte hinaus Bestand haben, werden langfristig tragfähige Vergütungsmodelle erforderlich sein.

Hier nimmt Baden-Württemberg inzwischen eine Vorreiterrolle ein. Dort wurde das HÄPPI-Konzept entwickelt und nach der Pilotphase schrittweise in bestehende Versorgungsstrukturen integriert. Mit der Einführung einer spezifischen Vergütung innerhalb der hausarztzentrierten Versorgung wurde bereits ein wichtiger Schritt zur Verstetigung des Modells unternommen.

Quelle: Bayerischer Hausärztinnen- und Hausärzteverband – Teampraxis-Konzept HÄPPI wirkt!

Nadine Brohammer
Autor Nadine Brohammer
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