Die Pflege schreibt auch in diesem Jahr rote Zahlen, so die Ergebnisse des GKV-Spitzenverbands. Allein im ersten Halbjahr 2026 fehlen den Pflegekassen 770 Mio. €. Dieses Defizit wird bis zum Jahresende auf 4,4 Mrd. € anwachsen. Auch das Notdarlehen in Höhe von 3,2 Mrd. € sowie die Finanzmittel aus dem Pflege-Ausgleichsfonds werden dieses Minus nicht egalisieren können.
Die Ursachen für diese Finanzierungslücke liegen dabei im strukturellen Ungleichgewicht zwischen Einnahmen- und Ausgabenseite. Letzteres ist insbesondere auf die wachsende Anzahl Pflegebedürftiger zurückzuführen. Bereits im vergangenen Jahr wurden über 6 Mio. Leistungsbeziehende gezählt – Tendenz steigend. Zudem erhöhen die Kosten für die Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie die kontinuierlich wachsenden Kassenzuschüsse zu den Eigenanteilen der Heimbewohner den Ausgabenblock. Dies zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Während die Ausgaben im Vorjahresvergleich um 11 % stiegen, konnten die Einnahmen lediglich ein Plus von 3,7 % verzeichnen.
Kommentar:
Der Druck auf die Politik, die angekündigte Pflegereform schnell umzusetzen und damit die Finanzierung der Pflegeversicherung sicherzustellen, wächst. Laut dem GKV-Spitzenverband werden im vierten Quartal 2026 die Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die Pflegeleistungen vollumfänglich zu finanzieren. Trotz des Bundesdarlehens von 3,2 Mrd. € und des Rückgriffs auf die verbliebenen Mittel des Pflegevorsorgefonds könnten bis zum Jahresende noch rund 500 Mio. € fehlen. Für 2027 erwartet der GKV-Spitzenverband ein Defizit von rund 7,5 Mrd. €. Da die Pflegekassen darüber hinaus ihre Betriebsmittel auffüllen müssen, beziffert der Verband den gesamten ungedeckten Finanzbedarf für das kommende Jahr auf rund 10 Mrd. €.
Quellen: