„Poliklinik Deluxe“: Brandenburg investiert in ambulante Strukturen

„Poliklinik Deluxe“: Brandenburg investiert in ambulante Strukturen

Das Land Brandenburg investiert in den Aufbau eines flächendeckenden Polikliniknetzes, um die regionalen Versorgungsstrukturen langfristig zu sichern. Die neue Poliklinik-Förderrichtlinie des Landes sieht bis 2030 ein Fördervolumen von 40 Mio. € vor, von denen bereits in diesem Jahr 12 Mio. € bereitgestellt werden sollen. Finanziert werden die Mittel aus dem Sondervermögen des Zukunftspakets des Landes.

Förderung des ambulanten Strukturaufbaus als Ergänzung zum Transformationsfonds

Ziel der Förderstrategie des Landes ist es, an allen Krankenhausstandorten abgestimmte ambulante Strukturen aufzubauen beziehungsweise bestehende Strukturen gezielt zu stärken. Mit der Richtlinie sollen insbesondere investive Bedarfe im ambulanten Bereich gedeckt und damit Versorgungslücken geschlossen werden, die infolge des durch die Krankenhausreform angestoßenen Strukturwandels in der stationären Versorgung entstehen. Während im stationären Bereich durch den Transformationsfonds vor allem die Spezialisierung und Konzentration von Krankenhausstrukturen gefördert wird, soll die Landesförderung diesen Wandel durch passgenaue ambulante Versorgungsangebote flankieren. Ziel ist es, die durch strukturelle Veränderungen entstehenden Versorgungslücken zu vermeiden und die regionale Versorgung nachhaltig zu sichern.

Der Fördertopf dient damit – in Analogie zum Transformationsfonds im stationären Bereich – der gezielten Unterstützung des Strukturwandels im ambulanten Sektor.

Eckpunkte der Poliklinik-Förderrichtlinie:

  • Projektförderung in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse: förderfähig sind Sachinvestitionen mit einem Mindestvolumen von 1 Mio. €; eine Förderung laufender Betriebs- und Personalkosten ist nicht möglich
  • Fördertatbestände umfassen insbesondere: die Umwandlung, Weiterentwicklung oder nachhaltige Sicherung bestehender Krankenhausstandorte sowie anderer regional bedeutsamer Gesundheitsstandorte zu bedarfsgerechten ambulant-stationären Zentren, insbesondere:
    • die Einrichtung und Weiterentwicklung von Polikliniken, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder vergleichbaren ambulanten Einrichtungen
    • die Umnutzung und bauliche Anpassung bestehender Gebäude
    • der Aufbau integrierter regionaler Versorgungsketten – von Prävention über ambulante Behandlung bis hin zu Pflege und Rehabilitation
  • Antragsberechtigt sind: Kommunen, kommunale Zusammenschlüsse, kommunale Gesellschaften sowie gemeinnützige oder öffentliche Träger und andere Leistungserbringer mit eindeutigem regionalem Versorgungsbezug.

 

Kommentar:

Mit der komplementären, aktiven Gestaltung der Ambulantisierung und dem Ziel, regionale Versorgungslücken im Zuge der Krankenhausreform zu vermeiden, verfolgt Brandenburg einen konsequenten und ganzheitlichen strukturellen Ansatz. Positiv hervorzuheben sind dabei die bewusste Verzahnung ambulanter, teilstationärer und stationärer Elemente sowie die Integration von Prävention und Pflege. Auch der klare Investitionsfokus und die regionale Ausrichtung über kommunale und gemeinnützige Träger haben das Potenzial.

Effektiver stationärer Strukturwandel als Voraussetzung

Ausschlaggebend für das Konzept wird jedoch sein, ob es im Zuge der Krankenhausreform – die momentan erneut durch einige Bundesländer blockiert wird – tatsächlich gelingt, Überkapazitäten im stationären Bereich abzubauen und freiwerdende Ressourcen – insbesondere Fachkräfte – in die ambulanten Strukturen zu überführen. Dauerhafte Doppelstrukturen sind weder finanzierbar noch angesichts des Fachkräftemangels realistisch. Gelingt diese Transformation, könnte eine abgestimmte, bedarfsgerechte und regional angepasste Versorgungsstruktur entstehen, innerhalb derer die neuen Polikliniken durchaus an den historisch bewährten Ansatz der DDR-Polikliniken anknüpfen könnten – jedoch in einer modernisierten, sektorübergreifenden Ausprägung.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt – Gesundheitsministerin Müller startet „Poliklinik Deluxe“: Brandenburg macht Versorgung zukunftsfest

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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