Private Krankenversicherung: Trendwende bei den Vollversicherungen?

Private Krankenversicherung: Trendwende bei den Vollversicherungen?

Im Jahr 2024 verzeichnete die private Krankenversicherung erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder einen Anstieg bei den Vollversicherungen. Das berichtet das VersicherungsJournal am 29.9.2025 auf Grundlage einer Auswertung des MAP-Reports 940 der Franke und Bornberg GmbH. Demnach erhöhte sich der Bestand an Personen mit Vollversicherungsvertrag um knapp 0,1 % auf rund 8,71 Mio.

Debeka führt Ranking der größten PKV-Anbieter an

Wie bereits in den vergangenen vier Jahren führt die Debeka das Feld im Bereich Vollversicherungen mit weitem Abstand an. Rund 2,55 Mio. Personen sind dort vollversichert – mehr als dreimal so viele wie beim zweitplatzierten Konkurrenten AXA, der knapp 809.000 Vollversicherte zählt (vgl. Abb.). Auf den weiteren Plätzen folgen die DKV mit rund 666.400 sowie die Signal Iduna mit etwa 621.300 Versicherten. Während die Debeka im Vergleich zum Vorjahr ein überdurchschnittliches Wachstum von 1,7 % verzeichnete und damit rund 27.270 zusätzliche Vollversicherte gewann, mussten andere Anbieter zum Teil deutliche Rückgänge hinnehmen. Besonders betroffen war die DKV, bei der die Zahl der Vollversicherten um 2,4 % bzw. um mehr als 16.000 Personen sank.

PKV-Anbieter mit den meisten Vollversicherten

 

Kommentar:

Für das aktuelle Plus auf dem Vollversicherungsmarkt lassen sich mehrere Ursachen ausmachen. So hat der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) inzwischen die Marke von 1.000 € überschritten, was viele freiwillig gesetzlich Versicherte zu einem Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) bewegt. Darüber hinaus hat die Pandemie den Bedarf nach einer stärkeren Absicherung sowie einem besseren Zugang zu medizinischen Leistungen deutlich verstärkt. Lange Wartezeiten und überlastete Leistungserbringer im GKV-System tragen zusätzlich dazu bei. Gleichzeitig haben die privaten Krankenversicherer ihre Vertriebs- und Leistungsstrategien angepasst: Mit transparenteren, zielgruppengerechten und flexibleren Angeboten – etwa in den Bereichen Vorsorge, Prävention oder entlang unterschiedlicher Lebensphasen – gelingt es ihnen, die Bedürfnisse der Kunden besser zu adressieren.

Vollversicherung: Signal für Stabilisierung, aber kein Wachstumstreiber

Das Wachstum bei den Vollversicherten fällt mit 0,1 % zwar marginal aus, besitzt jedoch einen hohen Signalwert. Nach vielen Jahren rückläufiger Zahlen steht dieses Plus für eine gewisse Stabilisierung im Wettbewerb mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die momentan vom Gesundheitsministerium ins Spiel gebrachten Leistungseinschränkungen in der GKV und die Sanktionierung des direkten Zugangs zum Facharzt könnte das Vollversicherungsgeschäft weiter beleben.

Gleichzeitig darf die Entwicklung nicht überbewertet werden. Die privaten Krankenversicherer stehen weiterhin unter erheblichem Druck: Die anhaltend steigende Dynamik bei den Leistungsausgaben, der politische Diskurs um die Bürgerversicherung und nicht zuletzt die demografischen Veränderungen belasten das System spürbar. Langfristig dürfte die Vollversicherung daher weniger als Wachstumssegment fungieren, sondern vielmehr auf Stabilisierung ausgerichtet sein – während die eigentlichen Wachstumsperspektiven im Bereich der Zusatzversicherungen liegen.

Quelle: VersicherungsJournal.de – Die privaten Krankenversicherer mit den meisten Vollversicherten

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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