Vertreter aus 31 Ländern der WHO-Region Europa haben sich auf einer Konferenz in Paris dazu verpflichtet, die psychische Gesundheit als festen Bestandteil der nationalen Politik zu verankern. Das Ziel ist es, ressortübergreifende Maßnahmen zu fördern und den wachsenden Herausforderungen im Bereich psychischer Gesundheit entschlossener zu begegnen.
Aktuelle Lage
Aktuellen Daten zufolge lebt jeder sechste Mensch in der europäischen Region mit einer psychischen Erkrankung. Ein Drittel der Betroffenen erhält keine angemessene Behandlung, was mitverantwortlich dafür sein kann, dass über 150.000 Menschen jährlich durch Suizid sterben. Suizid ist in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen die häufigste Todesursache.
Die „Erklärung von Paris“
Auf der von der WHO gemeinsam mit dem französischen Gesundheitsministerium organisierten Konferenz wurde die „Erklärung von Paris“ verabschiedet. Diese enthält konkrete Leitlinien für eine integrierte Gesundheitspolitik:
- ressort- und regierungsübergreifende Finanzierung und Rechenschaftslegung
- Beteiligung von Betroffenen an der Ausgestaltung von Konzepten
- Ausbau öffentlicher Räume zur Förderung sozialer Teilhabe
- Einbindung von Bildungseinrichtungen, Justiz, Stadtplanung und Arbeitswelt in Präventionsstrategien
- Förderung des Schutzes für Jugendliche bei der Nutzung digitaler Medien
WHO-Regionaldirektor Dr. Hans Henri P. Kluge betonte, dass die psychische Gesundheit in jede politische Entscheidung einfließen muss. Sie ist Voraussetzung für Würde, Hoffnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kommentar:
Die Entwicklung der psychischen Erkrankungen in Europa ist besorgniserregend und hat sich mit der Corona-Pandemie noch einmal deutlich verschärft. Laut einer Eurobarometer-Umfrage von 2023 gab jeder Zweite an, in den letzten zwölf Monaten unter emotionalen oder psychosozialen Problemen gelitten zu haben. Bereits 2016 betrafen psychische Erkrankungen mehr als 84 Mio. Menschen in der EU, die für volkswirtschaftliche Kosten von über 600 Mrd. € jährlich, also mehr als 4 % des BIP verantwortlich waren.
Während 89 % der Bürger laut Umfrage mentale Gesundheit als genauso wichtig erachten wie körperliche, berichten 44 %, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen keine gleichwertige Behandlung erfahren. Besonders alarmierend ist die Lage junger Menschen: 59 % der 16- bis 24-Jährigen berichteten von psychischen Problemen – mehr als in älteren Altersgruppen.
Aus diesem Grund hat der Rat der EU (European Council) Maßnahmen für ein sicheres digitales Umfeld für Kinder und Jugendliche ausgearbeitet:
- Zusammenarbeit mit Digitalwirtschaft, Politik, Bildung und Familien
- Aufklärung von Eltern und Lehrkräften über Risiken und altersgerechte Nutzung
- Medien- und Digitalkompetenzkampagnen für Kinder und Jugendliche
- sichere und datenschutzfreundliche Gestaltung digitaler Produkte
- bessere Meldesysteme gegen sexuelle Ausbeutung und schädliche Inhalte
Quellen:
- Weltgesundheitsorganisation – Angesichts von 17 % der Menschen in der Region, die mit einer psychischen Erkrankung leben, verpflichten sich 31 Länder, die psychische Gesundheit in alle Politikbereiche zu integrieren
- European Counsil – Council calls for greater efforts to protect the mental health of children and teenagers in the digital era
- European Union – Mental health
- Europäischer Rat – Psychische Gesundheit