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Die deutsche Medizintechnikindustrie

SPECTARIS Jahrbuch 2026

L 185 Kapitel
Die deutsche Medizintechnikindustrie

KI und Robotik erfinden die Branche neu

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Die deutsche Medizintechnikindustrie

KI und Robotik erfinden die Branche neu

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1.1  Grußwort von Dr. Martin Leonhard


Liebe Leserinnen und Leser,

Künstliche Intelligenz, Robotik, digitale Therapiebegleitung und automatisierte Diagnostik verändern bereits heute die medizinische Versorgung. Medizintechnik gewährleistet modernste Versorgung, schützt Gesundheit und steigert Lebensqualität. In unruhigen globalen Zeiten werden unsere Produkte noch viel starker für eine resilient aufgestellte Gesellschaft in sich neu entwickelnden Strukturen gebraucht. Wir, die Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS, gestalten diese Transformation auf unterschiedlichen Ebenen aktiv mit.

Erstmals werden wir als Medizintechnik im Koalitionsvertrag als Leitindustrie wertgeschätzt. Für uns ist das ein klares Zeichen dafür, dass wir in den zurückliegenden Jahren solide Arbeit geleistet haben und unser Wort beim politischen Gesprächspartner Gehör findet. Aus diesem ermutigenden Signal müssen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. Unsere Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch.

Medizintechnik ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor: Sie ist systemrelevant – und trägt mit 60 Milliarden Euro Umsatz und rund 262.000 Beschäftigten in Deutschland auch wesentlich zur Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft bei.

Die Zahlen zum Jahresauftakt zeigen: Unsere Branche wächst. Mit einem nominalen Umsatzplus von 3,4 Prozent im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr setzt sich der leichte Aufwärtstrend fort, der sich bereits im Jahr 2024 angedeutet hatte. Und doch: Dieses Wachstum ist fragil. Es speist sich primär aus der Stärke des Auslandsgeschäfts mit einer Exportquote von 68 Prozent – während der Motor im Inland merklich stottert.

Doch wie robust ist unser exportorientierter Wachstumsmotor? Was wir brauchen, sind tragfähige Freihandelsabkommen mit verlässlichen Rahmenbedingungen. Der Schein trügt nicht, wir stoßen auf immer protektionistischere Tendenzen. Diesem Trend muss Europa etwas Eigenes entgegensetzen.

Die Leistungsfähigkeit unserer Industrie bleibt beeindruckend. Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Anmelder medizintechnischer Patente in Europa. Unternehmen investieren trotz widriger Rahmenbedingungen weiter kräftig in Forschung und Entwicklung – durchschnittlich neun Prozent des Umsatzes fließen in Innovationen. Dennoch, seit 2019 stagniert die Zahl der Patentanmeldungen aus der Medizintechnik am Europäischen Patentamt. 2020 war die Medizintechnik, die viele Jahre den Spitzenplatz unter allen Branchen innehatte, zum letzten Mal auf Platz 1 und wurde 2024 vom 2. auf den 4. Platz durchgereicht. Innovation ist die Triebfeder unseres Fortschritts. Doch wie lange können wir uns Innovation in Deutschland und in Europa noch leisten?

Wir brauchen einen deutlich schlankeren Regulierungsrahmen, der sich auf das Wesentliche fokussiert. Wenn ein Gesetz, das wie die MDR etwa 175 Seiten umfasst, neben etwa 16 nachgelagerten Rechtsakten zusätzlich 120 MDCG-Guidance-Dokumente erfordert, ist es nicht zwingend gut gemacht. Wir erleben in vielen Fällen die Maximierung des Mikromanagements. Wir freuen uns, dass EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi sehr klar dieses Defizit erkannt hat. Wir werden mit unserem Praxiswissen dazu beitragen, dass die erforderlichen Schritte der Verbesserung zeitnah erfolgen. Die elektronische Gebrauchsanleitung ist seit Mitte dieses Jahres umgesetzt, wir als SPECTARIS haben dazu wesentlich beigetragen. Gemeinsam müssen wir Überregulierung als Grundursache für Abwanderung von Innovation, Produkten und Produktion verstehen, was im Ergebnis zu weniger Resilienz und zu einer schlechten Gesundheitsversorgung führt.

National brauchen wir eine mutige Reform des Gesundheitswesens, damit wir uns moderne Gesundheitsversorgung einschließlich einer herausragenden Medizintechnik wieder leisten können.

Ich danke allen Unternehmen, Verbandsmitgliedern, Partnern und Unterstützern für ihre Kraft, ihr Durchhaltevermögen und ihre Innovationsbereitschaft in herausfordernden Zeiten. Und ich danke allen Leserinnen und Lesern dieses Jahrbuchs für ihr anhaltendes Interesse an unserer Branche. Möge die diesjährige Ausgabe Ihnen erneut wertvolle Einblicke, aktuelle Daten und neue Perspektiven bieten.

Herzliche Grüße

Ihr Dr. Martin Leonhard

Vorsitzender Medizintechnik

im Deutschen Industrieverband

SPECTARIS

 



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