Roland Berger-Studie: nur 9 % der öffentlichen Kliniken 2024 im Plus

Roland Berger-Studie: nur 9 % der öffentlichen Kliniken 2024 im Plus

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich weiter zugespitzt. Dies geht aus der aktuellen Krankenhausstudie 2025: Transformation durch Investition von Roland Berger hervor. Die Umfrage von Mai 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass 75 % der Krankenhäuser (über alle Trägerarten hinweg) das Jahr 2024 mit einem Defizit abgeschlossen haben. Besonders betroffen sind dabei die öffentlichen Krankenhäuser, von denen bereits 89 % im Minus waren (vgl. Abb.).

Abb. Jahresergebnisse der Krankenhäuser 2019 und 2024 nach Trägerschaft

Darstellung des Anteils der Kliniken mit defizitärem, ausgeglichenem oder positivem Jahresergebnis – differenziert nach privaten, öffentlichen und freigemeinnützigen Trägern im Vergleich der Jahre 2019 und 2024

Quelle: Roland Berger (2025): Krankenhausstudie 2025: Transformation durch Investition

Die Werte zur Umsatzrentabilität zeigen dabei das Ausmaß der wirtschaftlichen Situation: Lediglich 24 % der Krankenhäuser hatte eine positive Umsatzrentabilität – nur 1 % lag über 10 % und 76 % lagen im Bereich 0 % bis -25 % (61 % erreichen Null oder Werte bis -10 %). Die Autoren kamen ferner zu dem Schluss, dass sich der Markt immer stärker in zwei Lager aufspaltet: Während die defizitären Krankenhäuser weiter ins Minus rutschen, bauen die profitablen Häuser ihren Vorsprung aus.

Hohe Investitionsbereitschaft, aber fehlende finanzielle Ressourcen

Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Krankenhäuser auf mittlere Sicht Investitionen in Höhe von insgesamt rund 130 Mrd. € planen. Insgesamt sehen 96 % der befragten Kliniken Baumaßnahmen in Form von Neubauten oder Sanierungen vor. Treiber sind neben dem Ziel der operativen Verbesserung auch der Druck zu einer strukturellen Anpassung in Form einer Ambulantisierung und Spezialisierung des Leistungsangebots. Als zentrale Herausforderung erweisen sich jedoch die begrenzten öffentlichen Fördermittel. Diese decken nur rund die Hälfte des Bedarfs ab; erschwerend kommen komplizierte Antragsverfahren sowie mangelnde Planungssicherheit und wirtschaftliche Instabilität hinzu.

Trendumkehr bei der Stimmung

Laut Umfrage rechnen zwar viele Krankenhäuser zunächst mit einem weiteren wirtschaftlichen Abwärtstrend, jedoch ist die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation bis 2030 etwas optimistischer: 51 % gehen von einer Verbesserung des Jahresergebnisses aus und 38 % von einer Verbesserung der Liquiditätslage. Als mögliche Gründe nehmen die Autoren den Krankenhaustransformationsfonds und die Pläne der Regierung die u. a. rund 4 Mrd. € zum Ausgleich der sog. Sofort-Transformationskosten vorsehen.

Kommentar:

Die Zahlen der aktuellen Krankenhausstudie von Roland Berger belegen die prekäre wirtschaftliche Lage der Kliniken und unterstreichen einmal mehr den dringenden Handlungsbedarf. Die Folgen von Strukturproblemen, stagnierender Nachfrage, Ärzte- und Fachkräftemangel, erheblichen Kostensteigerungen jahrzehntelanger Unterinvestition zeigen sich immer deutlicher. Zwar adressiert die noch ausstehende Reform wichtige strukturelle Probleme, dennoch dürfte sich kurzfristig die wirtschaftliche Lage vieler – insbesondere öffentlicher – Kliniken weiter verschärfen, zumal die geplanten Anpassungen der Angebotsstrukturen ausreichend Zeit benötigen. Mittelfristig eröffnet die Reform jedoch erstmals seit Jahren die Chance auf eine Trendumkehr: Mit abgestufter und spezialisierter Versorgung bei klaren Qualitätsvorgaben und mit gezielter Vorhaltefinanzierung könnte eine nachhaltig tragfähige und flächendeckende Krankenhauslandschaft entstehen. Wie die Studie zeigt, sind die Kliniken bereit für den Umbruch: Sie planen Investitionen, um die geforderten strukturellen Vorgaben umzusetzen sowie die Anpassung ihres Leistungsangebots im Sinne der Ambulantisierung und Spezialisierung voranzutreiben. Jetzt ist die Politik gefragt, die momentan an einem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) arbeitet: Der Schlüssel für das Gelingen der Reform liegt in einer zeitnahen und konsequenten Umsetzung – ohne grundlegende Inhalte zu verwässern oder neue Fehlanreize zu schaffen – sowie in einem Finanzierungsmodell, das ausreichende Mittel bereitstellt, auf einem nachvollziehbaren und unbürokratischen Verfahren basiert und den verbleibenden Kliniken die dringend erforderliche Planungssicherheit gibt.

Quelle: Roland Berger – Krankenhausstudie 2025: Transformation durch Investition

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
Arrow right icon