Schätzerkreis: GKV-Defizit für 2022 vorprogrammiert

Schätzerkreis: GKV-Defizit für 2022 vorprogrammiert

Der zusätzliche Finanzbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung soll im kommenden Jahr weiter anwachsen. Dies geht aus der aktuellen Prognose des GKV-Schätzerkreises (aus Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesamts für soziale Sicherung sowie des GKV-Spitzenverbands) hervor. Als Grund für die Finanzierungslücke sehen die Experten vor allem steigende Ausgaben bei den Krankenkassen. So steht den für 2022 prognostizierten Einnahmen in Höhe von 256,8 Mrd. Euro ein voraussichtliches Ausgabenvolumen von 284,2 Mrd. Euro gegenüber. Mit Blick auf das sich hieraus ergebende Defizit in Höhe von rund 27,5 Mrd. Euro droht im kommenden Jahr eine Erhöhung der Zusatzbeiträge durch die Krankenkassen.

Wie berechnet sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der GKV?
Im Regelfall wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag für das Folgejahr durch ein Gegenüberstellen der für das betreffende Jahr erwarteten Einnahmen und Ausgaben kalkuliert. Für 2022 gilt eine Ausnahmeregelung: Der Gesetzgeber hat den rechnerischen Zusatzbeitrag mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) vom Juli 2021 für 2021 und 2022 auf jeweils 1,3% festgeschrieben. Grund ist die sogenannte Sozialgarantie, welche die Beitragsbelastung während der Corona-Krise auf einem vertretbaren Niveau halten soll. Gemäß dem 2020 beschlossenen Konjunkturprogramm der Bundesregierung gilt für die Sozialversicherungsbeiträge deshalb eine Belastungsgrenze in Höhe von maximal 40% der Löhne/Gehälter.

Kann der Bund sein Versprechen zur Sozialgarantie halten?
Mit Blick auf das zu erwartende Defizit wird es jedoch nur mithilfe weiterer finanzieller Unterstützung durch den Bund gelingen, den Zusatzbeitrag stabil bei 1,3% zu halten. Andernfalls wären die gesetzlichen Krankenkassen gezwungen, auf die Ausgabenunterdeckungen mit einer Auflösung von Rücklagen (falls vorhanden) und/oder einer Anhebung ihres kassenspezifischen Zusatzbeitrages zu reagieren.

Quelle: Bundesamt für Soziale Sicherung – GKV-Schätzerkreis schätzt die finanziellen Rahmenbedingungen der gesetzlichen Krankenversicherung für die Jahre 2021 und 2022

 

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