Stimmung bei den Apotheken – unstetes Auf und Ab in 2025

Stimmung bei den Apotheken – unstetes Auf und Ab in 2025

Licht am Ende des Tunnels!?

Bei weiterhin sinkenden Apothekenzahlen und nach mehreren – im Durchschnitt – wenig lukrativen Jahren für die Apothekerschaft deuten Zahlen und Trends für 2025 in eine positive Richtung:

Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel sind im ersten Halbjahr 2025 um 6 % gestiegen. Analog sahen die zwischen KBV und GKV-Spitzenverband ausgehandelten Rahmenvereinbarungen für Ärzte wieder Ausgabensteigerungen für Arzneimittel in Höhe von 5,1 % vor (2023 waren es nur 3 %). Gleichzeitig sinkt die Zahl der Apotheken auch weiterhin, was bedeutet, dass der einzelne Marktteilnehmer mit einem satten Umsatzplus rechnen darf. Bundesweit sank 2024 die Zahl der Apotheken um 420, bis Ende September 2025 schieden weitere 309 aus dem Markt aus.

Der erhöhte Zwangsabschlag, den Apotheken an die Kassen abführen müssen, gilt seit Februar nicht mehr, die Inflationsrate ging seit 2024 nach unten, mit dem Wegfall der Präqualifizierung für Hilfsmittel gibt es seit April 2024 weniger bürokratische Belastungen und die Wahrscheinlichkeit von Regressen sinkt wegen erleichterter Austauschregeln. Das heißt, die durchschnittliche Apotheke wird auch künftig stabile bis leicht steigende absolute Gewinne erzielen. Die konkrete Entwicklung ist jedoch mehr denn je vom unternehmerischen Geschick des Apothekeninhabers abhängig.

Unternehmerisches Geschick wichtiger denn je

Denn die Herausforderungen bleiben vielfältig: Angesichts des Fachkräftemangels ist der Druck auf die Personalkosten ungebrochen, hinzu kommt der steigende Mindestlohn; eine Apotheke lässt sich nicht so einfach hinsichtlich der (Umsatz-)Größe nach oben skalieren (z. B. begrenzen Räumlichkeiten oder Anzahl des Personals das Wachstum) und das eRezept führt, zwar in kleinen Schritten, aber sukzessive zu einer Abwanderung auch des Kernsegments in den Online-Handel. Die Verhandlungsmöglichkeiten beim Wareneinsatz, als bedeutendste Kostenkomponente der Apotheken, verschlechterten sich als Folge des Skonti-Urteils vom Februar 2024.

Positive Signale aus dem Koalitionsvertrag – Enttäuschungen nach dem Apothekertag im Herbst

Zu einem positiven (psychologischen) Effekt haben sicherlich die Ankündigungen im Koalitionsvertrag – insbesondere die Erhöhung des Apothekenfixums – beigetragen. Sollten die entsprechenden Punkte umgesetzt werden, dürfte das der Durchschnittsapotheke circa 75.000 € an Mehrertrag bescheren, so die Hochrechnungen des Apothekenexperten und Herausgebers des AWA (Apotheke & Wirtschaft) Prof. Dr. Reinhard Herzog. Ob damit auch der Rückgang bei den Apothekenzahlen verringert bzw. verlangsamt werden wird, muss sich noch zeigen. Entsprechend hat sich die Stimmung bei der Apothekerschaft etwas aufgehellt: nur mehr 58 %, im Jahr zuvor waren es 83 %! – rechnen mit einer schlechteren Branchenentwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren; soweit die Ergebnisse des Apothekenklima-Index 2025, deren Datenerhebung im Juli/August 2025 erfolgte. Seither hat sich die Stimmung jedoch wieder erheblich eingetrübt, denn auf dem Deutschen Apothekertag im September erklärte die Gesundheitsministerin, dass die Erhöhung des Apothekenfixums aufgrund der angespannten Finanzlage der GKV zurückgestellt würde. Auch in den Eckpunkten eines Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG), welches im Oktober vorgestellt wurde, findet sich die Erhöhung nicht mehr. Es wundert daher nicht, dass die Stimmung der Apothekerschaft im 3. Quartal wieder stark eingebrochen ist (Quelle: Stiftung Gesundheit sowie APOkix Oktober 2025, IFH Köln).

 

Kommentar:

Die Erhöhung des Apothekenfixums für Rx-Arzneien auf 9,50 € (im ländlichen Raum sogar bis 11 €) fand sich explizit im Koalitionsvertrag vom Frühjahr 2025. Es wurde seit 2013 nicht mehr erhöht, seither seien jedoch – so die ABDA – die Kosten um ca. 60 % gestiegen. Im Referentenentwurf zum ApoVWG vom Oktober findet sich nichts mehr zur Fixums-Erhöhung – stattdessen werden die Regelungen zur Apothekenvergütung auf neue Verhandlungspartner verlagert: Vergütungsverhandlungen sollen künftig zwischen dem DAV und dem Spitzenverband der GKVen erfolgen (wie in anderen Gesundheitsberufen können damit die Standesvertreter selbst Einfluss nehmen); bislang haben Wirtschafts- und Gesundheitsministerium das Apothekenhonorar geregelt.

Und wie geht es weiter? – Es dürfte entsprechend noch dauern, bis sich die Ressorts abgestimmt und der Entwurf den Weg ins Kabinett finden wird, eine erste Verbändeanhörung zur Reform fand letzte Woche statt. Bis dann das endgültige Gesetzgebungsverfahren finalisiert bzw. verabschiedet ist, könnte es Sommer 2026 werden und bis sich dann die neuen Verhandlungspartner auf eine Vergütungsanpassung geeinigt haben, das kann – im Worst Case – bis 2027 oder länger dauern.

Siehe auch News vom 3.9.2025

Quellen:

Petra Seisl
Autor Dr. Petra Seisl
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